Europa in queerer Vielfalt geeint

Bundesausschuss, 06.12.2025

Europa in queerer Vielfalt geeint

Beschluss des Bundesausschuss der Jungen Europäischen Föderalist:innen am 06.12.2025

Beschluss im Wortlaut:

Das Motto der Europäischen Union “In Vielfalt geeint“ muss endlich auch für die Vielfalt der sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gelten. Derzeit nur in einigen Mitgliedsstaaten der EU die gleichgeschlechtliche Ehe. Besonders schwierig ist die rechtliche Lage einer möglichen Anerkennung dort, wo durch die jeweilige Verfassung homophobe Vorbehalte gegenüber der gleichgeschlechtlichen Ehe bestehen.1 In heutiger Zeit sollte die rechtliche Gleichstellung von sexuellen Orientierungen selbstverständlich sein. Es gibt keinen Grund, in einer liberalen Gesellschaft Personen aufgrund des Geschlechtes der:des Partner:in die Ehe zu verweigern. Moderne Beziehungen sind vielfältig. Das traditionelle Bild von Beziehungen, die aus zwei Personen bestehen, entspricht nicht mehr der gesellschaftlichen Realität. Polyamouröse Beziehungen existieren, auch wenn diese durch die Gesetzgeber kaum bis gar nicht anerkannt sind. Polyamorie darf aber nicht mit der Vielehe gleichgesetzt werden, welche ein Instrument der Unterdrückung von Frauen* ist. Es ist an der Zeit, dass auch einvernehmliche Beziehungen von mehr als zwei Personen ihre Anerkennung finden in Gesellschaft und Politik.

Trans*-Personen haben das Recht zur Selbstbestimmung ihrer geschlechtlichen Identität. In vielen Staaten, wie Österreich, sind häufig psychologische Gutachten oder andere Kriterien notwendig, um Geschlechtseinträge und Namen anzupassen. In einigen Ländern ist das ändern des Geschlechtseintrages überhaupt nicht möglich, wie in Ungarn oder faktisch Rumänien. Die geschlechtliche Selbstbestimmung ist untrennbar teil jeder freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung. Die Anerkennung von nicht-binären Geschlechtsidentitäten ist in Europa noch nicht weit verbreitet. So gibt es in Deutschland und

Österreich die Möglichkeit des Geschlechtseintrags „divers“. Darüber hinaus erkennen auch in der EU Dänemark, Malta, Spanien und die Niederlande zumindest ein unbestimmtes Geschlecht an. Hier zeigt sich noch viel Handlungsbedarf, die Anerkennung von Geschlechtern jenseits von männlich und weiblich ist gesellschaftliche Realität.

Queere Personen erleben häufig Diskriminierungen und Gewalt. Besonders beschämend sind staatliche Diskriminierung und offene Queerfeindlichkeit. So hat Ungarn ein anti-LGBTQ+-Gesetz verabschiedet und in manchen Regionen in Polen wurden „LGBT-Freie Zonen“ eingerichtet. Durch EU-Kommission und Parlament wurden zwar Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet bzw. die Einrichtung kritisiert und diese in Teilen auch wieder zurückgenommen, doch das Vertrauen in die Staaten bleibt erschüttert. Daneben gab es allein in Deutschland 2023 1.499 Vorfälle von Gewalt im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung und 854 Fälle im Bereich der Geschlechtsidentität. Insgesamt zeigt sich ein Problem der Nichtanerkennung von queeren Leben durch Teile der Gesellschaft.

Die EU und Europa sind im internationalen Vergleich, trotz vieler Probleme, recht Fortschrittlich, was die Rechte von LGBTQ+ angeht. Die Tendenz von Gesellschaft und Politik geht oftmals in Richtung einer weiteren liberalen Anerkennung von nicht heteronormativen/ cisgeschlechtlichen Leben. International zeigen sich jedoch auch andere Tendenzen. Hervorzuheben sind hierbei insbesondere Staaten, in denen gegen Homosexuellen die Todesstrafe verhängt werden kann. Ein klarer Verstoß gegen die universellen Menschenrechte und -würde.

Die Jungen Europäischen Föderalist:innen fordern daher:

  1. Gleichgeschlechtliche Ehen in ganz Europa. Insbesondere in der EU müssen gleichgeschlechtliche Paare zu denselben Bedingungen die Möglichkeit haben, die Ehe einzugehen, wie verschiedengeschlechtliche Paare, insbesondere darf es keine Unterschiede im Adoptions- und Elternrecht geben. Nur eine eingetragene Partnerschaft ist als Ehe zweiter Klasse inakzeptabel. Die Ehe für alle muss in der EMRK und der EU-Grundrechtecharta verankert werden.
  2. Die Ehe oder zumindest eine Art der Partnerschaft sollte für polyamouröse Beziehungen eröffnet werden. Das klassische Bild von Beziehungen die nur aus zwei Personen bestehen ist überholt, es ist ausschließlich eine Angelegenheit der jeweiligen Partner:innen ob, mit wem und mit wie vielen Personen sie eine einvernehmliche Partnerschaft und Ehe eingegangen möchten, nicht die von staatlicher Institutionen.

2.Anerkennung vielfältiger Beziehungsformen. Das traditionelle Bild von Beziehungen, das ausschließlich aus zwei Personen besteht, wird der gesellschaftlichen Realität nicht mehr gerecht. Polyamouröse Beziehungen, in denen mehrere Personen partnerschaftlich miteinander verbunden sind, sind gelebte Realität und brauchen gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung. Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten sollen eine rechtlich anerkannte Form von Partnerschaften für polyamouröse Beziehungen schaffen, die allen Beteiligten gleiche Rechte und Pflichten garantiert.

  1. Europaweit sollen trans* Personen das Recht erhalten, selbst über ihre geschlechtliche Identität zu bestimmen, ohne erniedrigende Gutachten zur „Feststellung“ des Geschlechts. Insbesondere volljährige Personen sollten durch einfache Mitteilung gegenüber den Behörden ihre Geschlechtsidentität ändern und Namen anpassen können.
  2. Alle europäischen Staaten und die EU müssen zumindest eine dritte neutrale Geschlechtsoption anerkennen. Wünschenswert ist darüber hinaus die freie Wahl der Bezeichnung der eigenen Geschlechtsidentität oder das Weglassen eines Eintrags in Dokumenten und Registern. Auch soll es die Möglichkeit der Eintragung der bevorzugten Pronomen in Ausweisdokumenten geben.
  3. Mehr Schutz vor Gewalt und Diskriminierung von LGBTQ+-Personen. Der EU sollten weitere Kompetenzen übertragen werden, um gegen Hass und Hetze durch staatliche Institutionen in den Mitgliedsstaaten vorzugehen, wenn die Staaten selbst nicht handeln wollen. Strafverfolgungsbehörden müssen queerfeindliche Gewalt und Diskriminierung endlich ernst nehmen und aktiv bekämpfen.
  4. Gesellschaftliche Anerkennung und Akzeptanz queren Lebens. Dabei ist Gesellschaftliche Aufklärung ein entscheidender Aspekt, um Queerfeindlichkeit zu bekämpfen. Vor allem in der Schule sollte es Aufklärungsunterricht geben, in dem verschiedene sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten vermittelt werden. Insbesondere soll dabei auch das Bedürfnis einer angemessenen sexuellen Aufklärung von queeren Jugendlichen gerecht werden.
  5. Eine queere Außenpolitik. Im Rahmen der gemeinsamen Außenpolitik der EU soll sich diese für die internationale Durchsetzung der Rechte von LGBTQ+-Personen einsetzen. Insbesondere die Kooperation und Unterstützung von lokalen Aktivist:innen und Bewegungen sind dabei das Mittel der Wahl. Die Haltung unserer internationalen Partner sollte eine Rolle spielen und mit einer klaren europäischen Position begegnet werden, insbesondere gegnüber Partnern in deren Ländern LGBTQ+-Personen die Todesstrafe droht. Bei EU-Erweiterungen muss die Rechtslage von LGBTQ+-Personen mehr beachtet werden.

8.Schutzräume für trans, inter und non-binäre Menschen schaffen. Trans, inter und non-binäre Menschen sind in besonderem Maße von physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt betroffen. Dennoch finden sie in bestehenden Schutzräumen, wie Frauenhäusern und anderen Schutzstrukturen keinen Platz, da diese Einrichtungen überlastet sind oder kein Aufnahmeanspruch besteht. Die EU- Kommission und ihre Mitgliedstaaten müssen daher gezielt den Aufbau und die Förderung für Schutzräume unterstützen, die trans, inter und non-binären Menschen sicheren Zugang, Schutz und Hilfsangebote bieten.

9.Verbot von Konversionstherapien und Schutz intergeschlechtlicher Kinder. Konversionstherapien müssen vollständig und ohne Ausnahmen in allen EU- Mitgliedsstaaten verboten werden. Außerdem müssen intergeschlechtliche Kinder besser geschützt werden. Medizinisch nicht notwendige geschlechtsangleichende Eingriffe, die nur der Zuteilung zu einem binären Geschlecht dienen, sind zu untersagen. Eine solche Entscheidung darf nur von der betroffenen Person selbst getroffen werden, sobald sie hierzu in der Lage ist.

10.Schutz queerer Geflüchteter. Die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten müssen den Schutz queerer Geflüchteter sicherstellen. Die Ausweitung der Liste sogenannter sicherer Herkunftsländer darf nicht dazu führen, dass queere Menschen, die in ihren Herkunftsländern massiver Gewalt, Diskriminierung oder staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind, schlechteren Zugang zu Asyl erhalten.

ninaEuropa in queerer Vielfalt geeint
Weiterlesen

Engagement für Europa sichtbar machen – Europäische Freiwilligenarbeit in Deutschland endlich anerkennen!

Bundesausschuss, 06.12.2025

Engagement für Europa sichtbar machen – Europäische Freiwilligenarbeit in Deutschland endlich anerkennen!

Beschluss des Bundesausschuss der Jungen Europäischen Föderalist:innen am 06.12.2025

Beschluss im Wortlaut:

Seit über 30 Jahren engagieren sich junge Menschen als Freiwillige im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes der Europäischen Union, welcher heute unter dem Namen Europäisches Solidaritätskorps (ESK) bekannt ist. Jährlich nehmen über 1000 junge Menschen in oder aus Deutschland im Alter zwischen 18 und 30 Jahren am Programm teil (Quelle 1). Sie engagieren sich für die Gesellschaft wie Freiwillige der deutschen Freiwilligenprogramme wie z.B. des FSJ oder BFD. Trotzdem wird auch nach über 30 Jahren gleiches Engagement noch immer nicht gleich gewürdigt. Eine Tatsache, die besonders in einer Zeit, in der ein starkes Europa und Europäischer Zusammenhalt so wichtig ist wie nie, nicht sein kann.

Denn gerade die Europäischen Jugendprogramme fördern den Zusammenhalt in Europa. So haben Freiwillige des ESK z.B. keinen Anspruch auf einen Freiwilligenausweis in Deutschland (Quelle 2) und dementsprechende Vergünstigungen anders als z.B. Freiwillige des FSJ. Mehr Anerkennung des Engagements von ESK-Freiwilligen würde außerdem die Sichtbarkeit des Europäischen Solidaritätskorps und der Europäischen Jugendprogramme in Deutschland insgesamt erhöhen und dafür sorgen dass mehr junge Menschen von den Europäischen Jugendprogrammen erfahren und profitieren können. Denn viele junge Menschen in Deutschland kennen nur Erasmus + für Studierende, wodurch vielen, gerade jungen Menschen mit geringeren Chancen, eine Teilnahme an den Europäischen Jugendprogrammen, wie dem Europäischen Solidaritätskorps, Jugendbegegnungen, Trainingskursen etc. verwehrt bleibt.

Als Junge Europäische Förderalist:innen fordern wir daher, dass Freiwillige des ESK in Deutschland berechtigt werden, einen Freiwilligenausweis und damit denselben Status wie Freiwillige der deutschen Programme zu erhalten. Auf lange Sicht sollte es außerdem das Ziel sein, einen allgemeingültigen Europäischen Freiwilligenstatus einzuführen, der allen Freiwilligen in Europa gleiche Rechte gibt, wie auch schon von europäischen Nationalagenturen gefordert.

ninaEngagement für Europa sichtbar machen – Europäische Freiwilligenarbeit in Deutschland endlich anerkennen!
Weiterlesen

Brücken bauen statt Hürden errichten – Europäische Jugendprogramme stärken statt begrenzen!

Bundesausschuss, 06.12.2025

Brücken bauen statt Hürden errichten – Europäische Jugendprogramme stärken statt begrenzen!

Beschluss des Bundesausschuss der Jungen Europäischen Föderalist:innen am 06.12.2025

Beschluss im Wortlaut:

Seit Beginn der aktuellen Programmgeneration der Europäischen Jugendprogramme Erasmus + Jugend und Europäisches Solidaritätskorps (2021–2027) sind im Vergleich zur früheren Programmgeneration spürbar weniger Projekte von oder mit Organisationen aus nicht-assoziierten Drittländern gefördert worden. Ursache dafür ist unter anderem die Einführung einer quantitativen Obergrenze: Maximal 25 % der Fördermittel dürfen noch verwendet werden um Projekte zu fördern, an denen Organisationen oder Teilnehmende aus nicht-assoziierten Drittländern beteiligt sind. Die neue Begrenzung trifft damit insbesondere zivilgesellschaftliche Akteur:innen in Ländern wie Georgien, der Ukraine, Kosovo oder Moldau. Gerade für Organisationen in diesen Regionen ist diese Entwicklung fatal, da die Unterstützung durch die Europäischen Jugendprogramme oft als einzige oder eine der wenigen finanziellen Fördermöglichkeiten, das Überleben und die unverzichtbare Arbeit von Ngos und besonders Jugendverbänden und Jugendorganisationen sichert. Dabei leisten Jugendorganisationen in diesen Ländern nicht nur wertvolle Arbeit für junge Menschen vor Ort, sondern wirken zugleich als Brückenbauer zur Europäischen Union: Sie halten europäische Werte wie Demokratie, Solidarität und Menschenrechte auch in schwierigen Kontexten lebendig und tragen wesentlich zur Stärkung von Zivilgesellschaft, Demokratie und Friedenssicherung in Europa bei.

Die EU schneidet sich mit der Obergrenze dieser Programme ins eigene Fleisch: Denn Jugendorganisationen schützen Europa – nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret, indem sie seine Werte verteidigen und junge Verbündete für die europäische Idee gewinnen, bevor andere Akteure diese Räume besetzen.

Als Junge Europäische Föderalist:innen fordern wir daher:

  1. Die Aufhebung der 25 %-Grenze der nächsten Programmgeneration der Europäischen Jugendprogramme ab 2028 für Fördermittel, die in Projekten mit nicht-assoziierten Drittländern eingesetzt werden dürfen. Statt einer pauschalen Obergrenze muss die wieder Qualität der Projekte den Ausschlag bei der Förderentscheidung geben!
  2. Die politische und institutionelle Anerkennung von europäischer Jugendarbeit als Bestandteil der europäischen Außen-, Friedens- und Nachbarschaftspolitik. Jugendprojekte mit nicht-assoziierten Drittländern sind keine „Bonusprogramme“, sondern leisten konkrete Beiträge für ein vereinigtes Europa!
ninaBrücken bauen statt Hürden errichten – Europäische Jugendprogramme stärken statt begrenzen!
Weiterlesen

Alternativen zur Transatlantischen Brücke

Bundesausschuss, 15.03.2025

Alternativen zur Transatlantischen Brücke

Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses der Europa-Union und
der Jungen Europäischen Föderalist:innen vom 15.03.2025

Beschluss im Wortlaut:

Die Präsidentschaft von Donald Trump hat zu einer rapiden Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen geführt. Die Vereinigten Staaten nehmen aufgrund der „America First“-Politik ihre Rolle als Verteidigerin der regelbasierten Weltordnung nicht mehr wahr.
Daher ist es notwendig, dass die Europäische Union und ihre Partner auf dem amerikanischen Kontinent weiterhin gemeinsam Verantwortung für den Erhalt einer regelbasierten Weltordnung übernehmen, welche auf den Prinzipien von Respekt für Menschenrechte, menschlicher Würde, Demokratie, Gleichheit, Solidarität und Frieden beruht.
Wir fordern die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, ihre Beziehungen zu anderen Staaten auf dem amerikanischen Kontinent zu intensivieren.

heleneAlternativen zur Transatlantischen Brücke
Weiterlesen

„Europa zählt mehr denn je!” Unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung

Bundesausschuss, 15.03.2025

„Europa zählt mehr denn je!” Unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung

Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses der Europa-Union und
der Jungen Europäischen Föderalist:innen vom 15.03.2025

Beschluss im Wortlaut:

Die geopolitischen Entwicklungen zeigen deutlich, dass Europa nur geschlossen und mit vereinter Kraft seine Freiheit und seine Unabhängigkeit bewahren können wird. Deshalb muss die Europäische Union (EU) dringend handlungsfähiger werden. Die Pariser Klimaschutzziele zur effektiven Verlangsamung der menschengemachten Erderwärmung bleiben trotz Kriegsgefahr und Rezession von überragender Bedeutung. Die schwierige Lage besonders der Wirtschaft, die Sicherung offener Märkte und wichtiger Zugänge zu Ressourcen sowie einer verlässlichen und nachhaltigen Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen, die weitere Vertiefung des Binnenmarkts, vor allem seine Ergänzung um eine Kapitalmarktunion, sowie Demografie und Migration sind Herausforderungen, denen wir nur vereint erfolgreich begegnen können. Deutschland, als bevölkerungsreichster Mitgliedstaat und größte Volkswirtschaft der EU, trägt hierbei besondere Verantwortung. Die Krisen unserer Zeit, sei es die Verteidigung der Demokratie, die Gewährleistung von Sicherheit oder die Stärkung des europäischen Zusammenhalts, erfordern eine aktive und vorausschauende europäische Politik – einen europäischen Bundesstaat.

Europa-Union Deutschland (EUD) und Junge Europäische Föderalist:innen (JEF) Deutschland setzen sich als überparteiliche und überkonfessionelle Verbände seit über 75 Jahren für ein föderales Europa ein. Gemeinsam fordern wir die zukünftige deutsche Bundesregierung auf, sich in den kommenden vier Jahren proaktiv für eine wirkungsvolle Stärkung Europas einzusetzen. Dabei muss Deutschland als Motor der Integration vorangehen und darf wichtige Entwicklungen nicht blockieren, sondern muss selbst Impulse setzen.
Mit unserer Kampagne „Deutschland wählt, Europa zählt“ haben wir gezeigt, dass große Teile der deutschen Gesellschaft ein geeintes, starkes und zukunftsfähiges Europa wollen. Dies bestätigt auch eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. (EBD). Gleichzeitig verschärfen sich die Bedrohungen demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien von innen und von außen. Deutschland muss gemeinsam mit Frankreich und Polen und weiteren reformwilligen EU-Staaten Führungsverantwortung übernehmen und eine ambitionierte Vision mit klaren Ansprüchen definieren. Jetzt ist die Zeit für entschlossenes Handeln! Was für uns zählt – von der neuen Bundesregierung fordern wir:

1) Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und zivilgesellschaftliches Engagement stärken!

Zivilgesellschaftliche Strukturen sind eine unverzichtbare Säule der Demokratie. Sie fördern den Austausch und die Beteiligung an politischen Prozessen und sind ein wichtiger Wächter der demokratischen Ordnung. Vor allem Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen tragen dazu bei, junge Menschen frühzeitig zu empowern, die die Werte der Demokratie aktiv vertreten. Wir fordern, dass dies auch in einem Gesetz zur Stärkung der Demokratie verankert wird. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass sie die Unabhängigkeit, den Schutz und die Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen stärkt und mit den nötigen finanziellen und strukturellen Ressourcen ausstattet. Dies gilt insbesondere für eine Inflationsanpassung des Kinder- und Jugendplans. Nur durch ein starkes zivilgesellschaftliches Engagement kann die Grundlage für eine stabile, gerechte und demokratische Gesellschaft erhalten bleiben. In einer Welt, in der rechtsstaatliche Prinzipien zunehmend unter Druck geraten – etwa durch autoritäre Tendenzen, die Einflussnahme privater Tech-Unternehmen oder die Instrumentalisierung von Macht – muss die Bundesregierung sich entschieden für die Stärkung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland, Europa und global einsetzen. Rechtsstaatlichkeit ist kein Hindernis für die effiziente Durchsetzung politischer Vorha-
ben. Sie ist wesentliche Grundlage für Checks and Balances und ein regelbasiertes Zusammenleben auf nationaler und internationaler Ebene und muss verteidigt werden. Besonders wichtig ist die Durchsetzung europäischen Rechts zum Schutz der demokratischen Öffentlichkeit davor, von
algorithmisch verstärktem Hass und Lügen ertränkt zu werden. Europa hat sich demokratisch entschieden, Aufrufe zu Hass und Gewalt online genauso wie offline zu verbieten, und Plattformen wie X, Facebook, YouTube, TikTok und Google verpflichtet, europäisches Recht durchzusetzen. Die Trump-Regierung verleumdet die Durchsetzung von EU-Gesetzen als Handelsnachteil. Die Bundesregierung muss helfen, mit dem Digitale Dienste Gesetz (DSA) die demokratische Öffentlichkeit zu verteidigen, und verhindern, dass die EU-Kommission Straffreiheit für die Plattform X gegen Zollfreiheit für Autos tauscht. Wir lassen uns auf die Rhetorik von Trump, Musk und Co. nicht ein und bieten ein demokratisches europäisches Gegenmodell!

2) Junge Menschen an der Gestaltung der Zukunft beteiligen!

Die multiplen Krisen der letzten Jahre – der Krieg in Europa, der Klimawandel und die Wirtschaftskrise – treffen insbesondere die junge Generation und haben langfristige Folgen für ihre Zukunft. Junge Menschen, die wie alle gesellschaftlichen Gruppen vielschichtig sind, dürfen nicht nur passiv diese Entwicklungen beobachten, sondern müssen aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirken können. Die Ergebnisse der letzten Wahlen haben jedoch verdeutlicht, dass ihre Lebensrealitäten in der Politik nicht ausreichend berücksichtigt werden. Um ihre Anliegen angemessen einzubinden, ist eine stärkere politische Teilhabe notwendig. Ein entscheidender Schritt wäre die europaweite Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Gleichzeitig muss Demokratie über Wahlen hinausgehen: Jugendparlamente und verbindliche Beteiligungsmechanismen auf allen Ebenen sind essenziell, damit junge Menschen aktiv in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Darüber hinaus braucht es eine intensivere politische Bildung, um das Demokratieverständnis junger Menschen zu stärken und ihnen frühzeitig ein Bewusstsein für ihre demokratischen Rechte, insbesondere auch auf der europäischen Ebene, zu vermitteln. Die politische Bildung, insbesondere die europapolitische Bildung, kommt in den modernen Bildungssystemen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union viel zu oft zu kurz. Selbst in der Bundesrepublik Deutschland gibt es erhebliche Diskrepanzen in der Qualität und im Umfang der politischen Bildung – nicht nur zwischen der Sekundarstufe und der gymnasialen Oberstufe, sondern auch zwischen den einzelnen Bundesländern. Das darf nicht sein! Ein Maßnahmenpaket zur politischen Bildung, beginnend mit der Grundschule und auch in der Lehrkräfteausbildung, ist essenziell, um diese Diskrepanz mindestens teilweise aufzuheben. Dies ist ein entscheidender Punkt, um die Jugend und künftige Generationen auf die Komplexität unserer Gegenwart vorzubereiten. Dabei darf Jugendbeteiligung keine symbolische Geste sein, sondern muss als demokratische Notwendigkeit verstanden wer-
den.

3) Europäische Integration vertiefen, um den Bundesstaat zu verwirklichen!

Gerade jetzt, da der Autoritarismus eines Donald Trump, der russische Faschismus sowie die Volksrepublik China unser auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie basierendes Modell gefährden, ist es notwendig, unsere Art zu leben nicht nur zu verteidigen, sondern sie selbstbewusst gesamteuropäisch weiterzuentwickeln. Europa muss nicht nur sicherheits- und wirtschaftspolitisch eigenständig, sondern wirklich einig werden. Die aktuellen globalen Herausforderungen verlangen es, dass wir als EU gemeinsam und stark auftreten – um die Werte von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen und eine echte Alternative zu den autoritären Systemen zu bieten, die weltweit an Einfluss gewinnen. Es ist höchste Zeit, diese Chance zu ergreifen und eine europäische Zukunft zu gestalten, die auf unseren gemeinsamen Werten basiert.

Deshalb fordern wir die neue Bundesregierung auf, die europäische Integration nicht nur in Einzelfragen, sondern in der ganzen Breite zu vertiefen. Dabei muss auch der pragmatische Ansatz der Zusammenarbeit „der Willigen“ zugelassen werden, wenn schnelle Lösungen erforderlich sind. So können einzelne Integrationsschritte in Bereichen wie Verteidigung, Klima- oder Wirtschaftspolitik in einer engeren Gruppe von Mitgliedstaaten vorangetrieben werden, um Fortschritte zu erzielen, die auf die gesamte EU ausstrahlen. Die Zeit ist reif für kühne Entwürfe, besonders da der mögliche Rückzug der USA aus der freien Welt die EU-Mitgliedstaaten dazu zwingt, enger zusammenzurücken. Die EU darf nicht nur als Wirtschafts- und Sicherheitsgemeinschaft existieren, sondern muss auch politisch und institutionell enger zusammenarbeiten. Deutschland muss als treibende Kraft in der EU auftreten und konkrete Schritte zur Stärkung des europäischen Integrationsprozesses setzen. Dazu gehört die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips, die Etablierung einer Verteidigungsunion und die Stärkung des Initiativrechts des Europäischen Parlaments. Die Zeit ist jetzt, eine europäische Alternative zu den verschiedenen Autoritarismen zu formulieren. Nicht nur, weil wir es müssen, um nicht unterzugehen, sondern weil wir es können und wollen. Es ist Zeit für den europäischen Bundesstaat!

4) Eine handlungsfähige EU durch gemeinsame Verteidigung fördern!

Die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik muss stärker integriert werden, um die EU unabhängiger und handlungsfähiger zu machen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt, dass Europa seine Sicherheit nicht länger von den USA abhängig machen kann – erst recht nicht seit der zweiten Trump-Präsidentschaft. Die EU braucht auf dem Weg zu Europäischen Streitkräften eine echte Verteidigungsunion, die die nationalen Streitkräfte enger verzahnt und Ressourcen effizienter nutzt. Dazu gehören auch gemeinsame Beschaffungen und schnell umsetzbare europäische Lösungen, um die militärische Zusammenarbeit zu vertiefen. Kurzfristig fordern wir eine gemeinsame Kredit- und Schuldenaufnahme für Verteidigung, um dringend notwendige Investitionen in Ausrüstung und strategische Fähigkeiten zu ermöglichen. Besonders eng muss hierbei mit den nordischen, baltischen, zentral- und osteuropäischen Mitgliedstaaten zusammengearbeitet werden, die bereits jetzt eine Schlüsselrolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur spielen und über wertvolle strategische Expertise in der Abschreckung und Verteidigung gegen die russische Bedrohung verfügen. Während manche dringend benötigten Waffen und Munition außerhalb der EU und auch in den USA gekauft werden müssen, sollte die große Mehrheit neuer Gelder in europäische Produkte fließen.
Dabei darf Verteidigung nicht gegen den sozialen Frieden ausgespielt werden. Sicherheit bedeutet mehr als nur militärische Stärke – sie erfordert auch wirtschaftliche Stabilität und den Schutz demokratischer Werte. Die Unterstützung der Ukraine macht deutlich, dass Europas Verteidigungsfähigkeit auch eine Frage der Solidarität ist. Neben der Stärkung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit und Verteidigung (PESCO) und einer vertieften Zusammenarbeit in der Weltraum- und Cyberabwehr fordern wir die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips insbesondere in der EU-Außen- und Sicherheitspolitik. Zudem braucht es eine strategische Kultur, die gemeinsame Militäreinsätze ermöglicht, etwa durch ein „Erasmus for Soldiers“- Austauschprogramm und eine Diskussion über die Nutzung der EU-Battlegroups. Eine selbstbewusste europäische Verteidigungspolitik ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für Frieden, Stabilität und Handlungsfähigkeit in einer sich wandelnden Welt.

5) Europäische Freizügigkeit schützen und Schengen verteidigen!

Wir fordern die Bundesregierung auf, die eingeführten Grenzkontrollen an allen deutschen Außengrenzen umgehend abzuschaffen und sich entschieden gegen deren Verlängerung oder gar Verstetigung einzusetzen. Im Jahr seines 40-jährigen Bestehens muss der Schengenraum als Kernstück der europäischen Integration verteidigt und geschützt werden. Einschränkungen der Freizügigkeit schaden der Wirtschaft, behindern den Binnenmarkt und belasten Unternehmen sowie Menschen, die täglich die Grenze überqueren, massiv. Zudem fehlen der Polizei die Kapazitäten, um flächendeckende Grenzkontrollen aufrechtzuerhalten, ohne andere sicherheitsrelevante Aufgaben zu vernachlässigen. Die Jungen Europäischen Föderalist:innen haben bereits 1950 mit dem symbolischen „Grenzsturm“ gegen die innereuropäischen Grenzkontrollen demonstriert, weil die föderalistische Bewegung wusste: Ein vereintes Europa braucht offene Grenzen. Heute gilt es mehr denn je, dieses Ziel zu verteidigen. Statt nationale Alleingänge fortzusetzen, braucht es gemeinsame europäische Lösungen – gerade in der Migrationspolitik. Der Schutz der Freizügigkeit muss mit einer funktionierenden Zusammenarbeit in der EU und auch an den EU-Außengrenzen einhergehen, um irreguläre Migration effektiv zu begrenzen, dem völkerrechtlich verankerten Schutzversprechen gerecht zu werden, eine gerechtere Verteilung von Asylberechtigten und Schutzbedürftigen zu ermöglichen und reguläre Migration, die aufgrund der demografischen Alterung in erheblichem Umfang gebraucht wird, gemeinsam im Sinne des europäischen Arbeitsmarkts zu steuern. Die Bundesregierung muss sich aktiv für den Erhalt und die Stärkung des Schengenraums einsetzen, anstatt durch ihre Politik neue Hürden zu errichten. Europas Antwort auf aktuelle Herausforderungen muss mehr Zusammenarbeit sein – nicht neue Binnengrenzen.

6) Das Parlament als Herzstück der Demokratie betonen!

Das Parlament muss als Herzstück der Demokratie gestärkt werden. Wir fordern ein Initiativrecht des Europäischen Parlaments, um seine Rolle als gleichwertiger Partner der Kommission und des Rates zu festigen. Um dies zu erreichen, muss die Bundesregierung die Einführung entsprechender Vertragsänderungen auf EU-Ebene aktiv vorbringen und so die demokratische Legitimation der EU langfristig stärken und ihre Handlungsfähigkeit verbessern. Darüber hinaus fordern wir die Einführung von transnationalen Listen für die Europawahlen, um die direkte Wahl durch ein Spitzenkandidatensystem zu ermöglichen und so die europäische Demokratie weiterzuentwickeln. Die bestehende deutsch-französische parlamentarische Versammlung muss weiter ausgebaut, um Polen erweitert und als Modell für verstärkte Zusammenarbeit genutzt werden, um gemeinsam europäische Themen voranzutreiben.

Zudem muss die europäische Politik in der deutschen Bundesregierung kohärent und effizient koordiniert werden. Der Europaausschuss sollte stets vor Abstimmungen im Rat befasst werden, um sicherzustellen, dass europäische Themen unter einem gemeinsamen Dach bearbeitet werden. Es darf keine unkoordinierte Haltung oder „German Votes“ mehr geben. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass alle Ministerien europäische Themen mitdenken und miteinander koordinieren, um die Handlungsfähigkeit Deutschlands in der EU zu stärken und die europäische Demokratie zu fördern.

7) Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz vorantreiben!

Die Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit wird im Zentrum der neuen von der Leyen-Kommission stehen. Wie die Berichte von Draghi und Letta betonen, braucht es hierfür ein substanziell größeres Investitionsvolumen, das auf privatem und öffentlichem Kapital basiert, sowie die Weiterentwicklung gemeinsamer finanzpolitischer Instrumente, insbesondere im Zusammenhang mit dem nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Deutschland ist als einer der wirtschaftlichen Motoren der EU immens von den geopolitischen Rahmenbedingungen betroffen und kann seine Wirtschaft nur stärken, indem es die Vorteile des europäischen Binnenmarktesvoll nutzt und Reformen vorantreibt. Statt libertärem Deregulierungswahn, der digitalen Plattformen wie denen von Musk und Zuckerberg ungebremste Freiheiten in der Verarbeitung privater Nutzerdaten aber auch der Beeinflussung der öffentlichen Meinung gibt, fordern wir ein Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft und zu einer wertebasierten europäischen Ordnungspolitik. Notwendig sind zugleich eine Umsetzung und Weiterentwicklung der Europäischen Säule Sozialer Rechte.

Die EU muss mehr als nur eine Wirtschaftsunion sein – sie muss ein Vorreiter in der globalen Zusammenarbeit und einer nachhaltigen Transformation werden. Dies bedeutet nicht nur eine ambitionierte Klima- und Umweltpolitik innerhalb der EU, sondern auch eine verstärkte Rolle in der globalen Zusammenarbeit zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit. Deutschland muss sicherstellen, dass die EU den Europäischen Green Deal entschlossen vorantreibt und weltweit eine führende Rolle übernimmt.

helene„Europa zählt mehr denn je!” Unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung
Weiterlesen

Anerkennung ist der einzige Weg – schafft dem Kosovo endlich begründete Aussicht auf die EU-Mitgliedschaft

Bundesausschuss, 09.12.2023

Anerkennung ist der einzige Weg – schafft dem Kosovo endlich begründete Aussicht auf die EU-Mitgliedschaft

Beschluss im Wortlaut:

Einleitung

Die EU ist ein einzigartiges politisches Projekt, das auf den Prinzipien der Demokratie, des Friedens und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit basiert. Die EU arbeitet nicht nur jeden Tag aufs Neue an der Erhaltung des Friedens auf dem europäischen Kontinent, sondern fördert auch Wohlstand und Stabilität. Auf dem Weg zum europäischen Bundesstaat bietet die Erweiterung der EU die Möglichkeit, die Stärken der EU weiter auszubauen und die Ideale, auf denen sie gegründet wurde, in immer weitere Teile Europas zu tragen.

Der Kosovo, der im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt hat, hat seitdem beträchtliche Fortschritte in Richtung Demokratie und Stabilität gemacht. Das Land hat eine demokratische Regierung gewählt, Reformen im Justiz- und Bildungswesen durchgeführt und wichtige Schritte zur Förderung der Versöhnung in der Region unternommen. Es ist an der Zeit, dass die EU diese Bemühungen anerkennt und den Kosovo, ohne dabei eine nachhaltige Konfliktlösung mit Serbien außer Acht zu lassen, als potenzielles EU-Mitglied betrachtet. Als letzter der Westbalkanstaaten hat der Kosovo im Dezember 2022 offiziell den Antrag auf einen EU-Beitritt gestellt. Seither wurde dem Land der Kandidatenstatus nicht verliehen. Dennoch sind wichtige Schritte zur Annäherung vorgenommen worden.

Die Aufnahme des Kosovos in die EU würde nicht nur dazu beitragen, die politische und wirtschaftliche Stabilität in der Region zu fördern, sondern auch die europäischen Werte in einem Land verankern. Im Falle Kosovos ist eine vollständige EU-Mitgliedschaft allerdings erst nach einer Einigung mit Serbien möglich, da sonst nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Spannungen tatsächlich in der Region aufhören würden.

Aufbauend auf den Beschlüssen zur EU-Erweiterungspolitik sowie zur Beitrittsperspektive des Westbalkans fordern wir dabei die Berücksichtigung der folgenden Eckpunkte:

  1. Anerkennung des Kosovo durch die gesamte EU

Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo hat sich innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten keine einheitliche Position zur staatlichen Anerkennung der ehemaligen serbischen Provinz durchsetzen können. Während 22 der 27 EU- Mitgliedstaaten den Kosovo als eigenständigen Staat anerkennen und einige dieser bereits eine Botschaft in Prishtina eingerichtet haben, verweigern bis heute Spanien, Slowakei, Griechenland, Rumänien und Zypern die Anerkennung der Staatlichkeit. Während die Motive dieser Haltung zumeist in der Vermeidung von Sezessionsbestrebungen in den jeweiligen Staaten zu suchen sind, versperrt diese Uneinheitlichkeit innerhalb der Union in plakativer Weise die Bemühungen, eine Friedensordnung auf dem Westbalkan mitsamt dem Kosovo zu etablieren sowie die Gesamtintegration der Region in die EU. Auch die verbleibenden Verweigerer der Anerkennung in der EU sollten ihre Haltung zugunsten einer Anerkennung der Staatlichkeit des Kosovos ändern. In der staatlichen Verfasstheit der jeweiligen Länder begründete Argumente, die dem entgegenstehen mögen, dürfen die Interessen der EU in dieser für die Weiterentwicklung der EU so fundamentalen Region nicht behindern. Die EU sollte in diesem Zuge auch für die Aufnahme des Kosovo in weitere internationale Organisationen werben.

  1. Offizieller Beitrittsstatus

Trotz Antragsstellung wurde dem Kosovo der offizielle Kanditatenstatus bisher nicht verliehen. Nachdem Bosnien und Herzegowina Ende 2022 als letzter übriger Staat der Region diesen Status bereits erhielt, sollte trotz der widrigen geopolitischen Umstände Kosovo ebenfalls offizieller Beitrittskandidat werden. Der Westbalkan kann nur mit dem Kosovo eine realistische Beitrittsperspektive der Gesamtregion entwickeln. Die Region ist naturräumlich, wirtschaftlich sowie ethnisch derart verwoben, dass zumindest in der Langfristperspektive eine Aufnahme nur einiger Staaten der Region nicht realistisch ist, bzw. zu neuen politischen Problemen führen würde. Ein Kandidatenstatus Kosovos würde diesen Weg vorzeichnen und den Westbalkan als Gesamtregion würdigen. Auch die politische Frage zwischen Serbien und Kosovo steht einem solchen Vorgehen nicht im Wege, vielmehr kann und sollte diese insbesondere mit einem Kandidatenstatus beider Staaten gelöst werden. Auch dass die Ukraine sowie Moldau – berechtigterweise, jedoch verhältnismäßig schnell – den Kandidatenstatus verliehen bekamen, spricht für eine Schaffung klarer Verhältnisse auf dem Westbalkan mit Berücksichtigung des Kosovo. So steht doch der aktuelle geopolitische Konflikt um den Kosovo verglichen mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine schwerlich in einem Verhältnis, was das Ausmaß an kriegerischen Auseinandersetzungen und gesellschaftlichen Verwerfungen angeht. Dennoch müssen bei den Beitrittsverhandlungen die Kopenhagener Kritierien für jeden gleich gelten, um das Risiko neuer Frustration auf dem Westbalkan möglichst gering zu halten. Wir fordern den Kandidatenstatus für alle Länder des Westbalkans einschließlich Kosovos, ein eng abgestimmtes Vorgehen des Beitrittsprozesses in der Region sowie die Lösung der weiterhin bestehenden Konflikte der Region innerhalb dieses Status.

  1. Visaerleichterungen

In diesem Zusammenhang begrüßen wir den wichtigen Schritt der Unterzeichnung des Visaübereinkommens aus April 2023, das sowohl Kosovar:innen als auch EU- Bürger:innen das Reisen erheblich erleichtern wird und zu einer Angleichung des Visaregimes in der Westbalkanregion führt.

  1. Wirtschaftliche Integration

Der Kosovo ist das ärmste Land der Region. Durch das Instrument for Pre- Accession Assistance (IPA) unterstützt die EU bereits seit 2014 die wirtschaftliche Entwicklung im Kosovo. Durch diese Unterstützungspakete sowie eine engere Anknüpfung des im Rahmen des Berliner Prozess geschaffenen sogenannten “Gemeinsamen Regionalen Marktes” an den EU-Beitrittsprozess kann die ökonomische Integration des Kosovo gelingen. Ein besonderer Fokus auf nachhaltige Energiepolitik ist hier empfehlenswert. Auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine oder auch der wachsenden chinesischen Wirtschaftsinteressen in der Region ist eine enge wirtschaftliche Kooperation zwischen der EU und dem Kosovo unabdingbar.

  1. Friedensprozess

Die Basis für den Beitritt des Kosovos ist der Frieden und die Normalisierung der Beziehungen zu Serbien. Dementsprechend sollte die EU ihre Vermittlerrolle im Friedensprozess noch weiter verstärken. Die bisherigen Bemühungen und die Aushandlungen eines Grundlagenabkommens, auf welches sich der Kosovo und Serbien im Frühjahr 2023 einigen konnten, stellen einen Erfolg dar. Damit wurde ein bedeutender Schritt in Richtung Normalisierung getan. An diesen muss die EU anknüpfen und ihre Rolle als Friedensvermittlerin wahrnehmen und auf beide Länder diplomatischen Druck ausüben, damit die mühsam ausgehandelten Erfolge aus dem Abkommen implementiert werden. Eine Situation wie Ende Mai 2023, bei der es zu gewaltsamen Ausschreitungen, ausgehend von militanten Serben, kam, die unter anderem die Verwundung von 30 KFOR-Soldaten zur Folge hatten, muss unbedingt vermieden werden.

Auch begrüßen wir weitere diplomatische Errungenschaften wie die Vermittlung von vertrauensbildenden Maßnahmen für die Zusammenarbeit bei der Vermisstensuche. Darüber hinaus sollte sich die EU bemühen, auch bei weiteren solcher Maßnahmen zu unterstützen z.B. vermehrte Gefangenenaustausche zur Annäherung und Schaffung von Vertrauen.

  1. Rechtsstaatlichkeit

Seit 2011 soll die EULEX Rechtsstaatsmission dabei helfen, das Polizei-, Justiz- und Zollwesen im Kosovo aufzubauen. Das Exekutivmandat ist 2018 ausgelaufen und es kam zu einer Funktionsänderung, sodass Richter:innen und Staatsanwält:innen vor Ort nicht mehr ersetzt werden, sondern nur noch sehr begrenzte Exekutivbefugnisse haben und ansonsten unterstützen und beaufsichtigen. Dieses Mandat wurde bis 2025 verlängert. Wir begrüßen die Verlängerung des Mandats und fordern, dass das Rechtstaatslichkeitsprogramm in Zukunft so gestaltet wird, dass es effektiv dazu beiträgt, die Korruption im Land zu bekämpfen und die Rechsststaatlichkeitsmechanismen zu verbessern, während die Souveränität des Landes respektiert wird. Die Übernahme exekutiver Aufgaben wäre unter Berücksichtigung der bestehenden Institutionen nicht mehr angemessen. Vielmehr muss der Kosovo als unabhängiges Rechtssystem respektiert werden. Gleichzeitig muss der Kosovo seinen Verpflichtungen bei der Korruptionsbekämpfung nachkommen, um die Funktion der rechtsstaatlichen Systeme zu garantieren.

  1. Kontext 

In Bezug auf die konkreten Forderungen zum Kosovo sollte auch berücksichtigt werden, dass ein gemeinsamer, gleichzeitig voranschreitender Beitrittsprozess aller Westbalkanstaaten forciert werden sollte, um die Verständigung und Zusammenarbeit in der Region zu garantieren.

emmelineAnerkennung ist der einzige Weg – schafft dem Kosovo endlich begründete Aussicht auf die EU-Mitgliedschaft
Weiterlesen

Europa im Visier hybrider Kriegsführung

Bundesausschuss, 09.12.2023

Europa im Visier hybrider Kriegsführung

Beschluss im Wortlaut:

Einleitung

Spätestens seit dem 24.02.2022 befindet sich Europa in einer außerordentlichen sicherheitspolitischen Lage. Die europäischen Staaten müssen weiterhin alles in ihrer Macht stehende tun, um die Ukraine dabei zu unterstützen, sich gegen den völkerrechtswidrigen und brutalen Angriffskrieg Russlands zu verteidigen.

Die militärischen und nichtmilitärischen Maßnahmen, die die russische Regierung seit mehreren Jahren einsetzt, sind passende Beispiele für die Gefahren hybrider Kriegsführung. Lange vor der militärischen Eskalation hat Russland sowohl in der Ukraine, als auch weltweit nichtmilitärische Methoden verwendet, um Staaten und Gesellschaften zum eigenen Vorteil zu destabilisieren. Besonders verwundbar gegenüber nichtmilitärischen Maßnahmen sind, aufgrund ihrer Offenheit, liberale Demokratien. Dabei ist die russische Regierung bei weitem nicht die einzige Staatsgewalt, die demokratische Werte nicht nur nicht teilt, sondern einen Schritt weitergeht und diese als Bedrohung ansieht. Deshalb ist Russland auch bei weitem nicht der einzige Akteur, wenn es darum geht, nichtmilitärische Maßnahmen einzusetzen, um demokratische Gesellschaften zu spalten. Die BRICS Staaten stehen beispielhaft für das wachsende Machtpotential von Staatensystemen, die die westlichen Werte nicht teilen.

Entscheidend ist, dass sich aufgrund der Globalisierung die Interdependenzen und Anfälligkeiten von Gesellschaften erhöht haben. Sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Akteure können sich aufgrund gesunkener Transaktionskosten weit über den eigenen Herrschaftsbereich hinaus Einfluss verschaffen.

Im Falle der hybriden Kriegsführung handelt es sich um die aktive Kombination von Maßnahmen in verschiedenen Bereichen, die wiederum Kaskadeneffekte auslösen und sich im zeitlichen Verlauf anpassen können. Meist handelt es sich nicht um deutlich erkennbare Angriffe, die man genau zurückverfolgen kann. So können Staaten und Gesellschaften in einen dauerhaften Konflikt- oder Krisenzustand versetzt werden, was langfristig eine Spaltung der Gesellschaft und einen Vertrauensverlust in demokratische Institutionen zur Folge haben kann. In Europa ist seit Jahren eine verstärkte Polarisierung zu beobachten. Der Brexit, die Konflikte um Migration und Rechtsstaatlichkeit und der Aufstieg rechtsextremer Parteien sind nur einige Beispiele dafür. Hybride Kriegsführung ermöglicht Akteuren von außen, solche Konflikte anzuheizen und zu instrumentalisieren, ohne selbst vor Ort zu sein. Cyberattacken, Spionage, die Bildung wirtschaftlicher Dependenzen und die Verbreitung von Desinformation über soziale Netzwerke sind geeignete Beispiele. Insbesondere die Verbreitung falscher Informationen während der Corona-Pandemie und der Cambridge-Analytica- Skandal haben gezeigt, wie neuartige Technologien den Kampf zwischen Wahrheit und Viralität und das Verschwimmen zwischen Online und Offline Polarisierung antreiben können. Die weitreichenden Folgen und Wirkungen eines bloßen Hashtags sind heutzutage nicht mehr zu leugnen.

Hybride Kriegsführung schafft es, die größte Stärke liberaler Demokratien, die öffentliche Debatte, in eine Schwäche zu verwandeln. Die EU muss sehr akut darauf aufpassen, dass außenstehende Akteure es nicht schaffen, den demokratischen Diskurs innerhalb Europas in eine antidemokratische Richtung zu verschieben. Denn dann stünde nichts weniger als das gesamte Projekt der Europäischen Union auf dem Spiel.

Trotz aller berechtigten Kritik ist die EU jedoch das wirkungsvollste Mittel, um Frieden, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in Europa zu sichern. Daher muss die EU dringend stärkere Maßnahmen ergreifen, um sich nachhaltig gegen hybride Formen der Kriegsführung verteidigen zu können. Aus diesen Gründen fordern wir:

  1. Weiterhin verstärkt die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips in der EU.

Das Einstimmigkeitsprinzip führt zu einer Verlangsamung bis hin zu einer potentiellen Blockade von Prozessen, was im Widerspruch zur steigenden Schnelligkeit von auftretenden und sich veränderten Bedrohungslagen steht. Das Tempo demokratischer Entscheidungsfindungsprozesse darf nicht dazu führen, dass, sobald eine Entscheidung steht, diese aufgrund veränderter Ausgangsbedingungen, wieder irrelevant ist.

 

  1. Verstärktes Engagement für den gesamtgesellschaftlichen Resilienzaufbau in Europa.

Die Maßnahmen aus der 2016 verabschiedeten Globalen Strategie für die Außen- und Sicherheitspolitik sind offensichtlich nicht ausreichend. Sieben Jahre später ist die Demokratie in der EU so gefährdet wie noch nie seit ihrem Bestehen. Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik müssen in einem sicherheitspolitischen Kontext gedacht werden, da sie die effektivsten Maßnahmen zum Resilienzauau bieten. Sozialer Zusammenhalt, politische Bildung und gesellschaftliche Medien- und Nachrichtenkompetenz sind keine “Wohlfühl-Wünsche”, sondern haben sich zu sicherheitspolitischen Notwendigkeiten entwickelt. Die EU muss hier präventiv handeln, anstatt erst zu reagieren, nachdem es möglicherweise schon zu spät ist. Auch wenn einige Entscheidungen viel Zeit und Geld kosten und in der kurzen Frist eher unattraktiv zu sein scheinen. Durch die enge Kooperation mit der NATO und die Gründung der PESCO hat die EU die Gelegenheit, sich auf die zivilen Aspekte der Verteidigung zu fokussieren.

  1. Eine deutliche Definition der Strategischen Autonomie Europas und der europäischen Beistandsklausel (Art. 42, Abs. 7 EUV).

Da die Bedeutung ziviler Methoden der Kriegsführung stark gestiegen ist, bleibt die militärische Abschreckung weiterhin von enormer Wichtigkeit und Priorität. Daher fordern wir bereits seit mehreren Jahren eine gemeinsame Europäische Armee. Diese kann unter anderem dazu beitragen, Abhängigkeiten im militärischen Bereich zu verringern. Die transatlantische Partnerschaft ist sehr wichtig, jedoch nicht mehr so zuverlässig wie früher. Die EU muss daher für sich und ihre Bürger:innen deutlich definieren, wann sie eigenständig handelt und sich verteidigt. Dazu gehört auch die Frage, ob nicht-militärische Angriffe die Beistandsklausel auslösen können.

  1. Vermehrte Einbeziehung des Parlaments in die GASP/GSVP und die Etablierung von SEDE und ING2 als vollwertige Ausschüsse.

Als einzig direkt gewähltes Organ muss das Europäische Parlament deutlich stärker in Angelegenheiten der Gemeinsamen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GASP/GSVP) mit einbezogen werden. Die Themen Sicherheit, Verteidigung und Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der EU werden uns in Zukunft verstärkt beschäftigen. Daher sollten die EP- Ausschüsse SEDE (Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung) und ING2 (Sonderausschuss zur Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der Europäischen Union, einschließlich Desinformation, und zur Stärkung der Integrität, Transparenz und Rechenschaftspflicht im Europäischen Parlament) als dauerhafte und vollwertige Ausschüsse etabliert werden.

  1. Erweiterte Einbeziehung von Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft bei der Umsetzung des Strategischen Kompasses.

Der Strategische Kompass legt Leitlinien der EU in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung fest und enthält u. a. auch strategische Maßnahmen zur Cybersicherheit. Die Zivilgesellschaft, insbesondere Journalist:innen, Medien, Online-Plattformen, NGOs, Expert:innen und Wissenschaftler:innen, sowie private Unternehmen werden oftmals als erste Verteidigungslinie einer liberalen demokratischen Gesellschaft bezeichnet. Zum Beispiel sind die Sozialen Netzwerke in privater Hand, über welche in heutiger Zeit schon massenhaft Desinformationskampagnen gestreut werden. Diese Netzwerke sind zu einem Raum der demokratischen Partizipation und Entscheidungsfindung geworden, obwohl sie nicht dafür konzipiert worden sind. Ebenso kommen die meisten Unternehmen, die sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen, aus der Privatwirtschaft. Diese Technologie wird zukünftig enormen Einfluss auf alle Bereiche des alltäglichen Lebens nehmen. Von der Entwicklung hochmoderner Waffensysteme bis hin zu automatisierten Bots auf Instagram oder TikTok. Aufgrund oftmaliger Profitorientierung und schwächerer Sicherheitsstrukturen sind private Unternehmen und Organisationen potenziell einfacher zu beeinflussen als staatliche Institutionen. Ohne ihre Partizipation und Einbeziehung in den Strategischen Kompass der EU wird eine erfolgreiche Verteidigung gegen hybride Angriffe unmöglich.

  1. Die Ausweisung von demokratischen Wahlprozessen als kritische Infrastruktur.

Zu einem Ziel von hybriden Angriffen können auch demokratische Wahlen sowie der damit verbundene Wahlkampf werden. Um eine Einflussnahme auf den wichtigsten demokratischen Entscheidungsprozess von außen zu verhindern, fordern wir, dass Wahlen als kritische Infrastruktur ausgewiesen werden.



emmelineEuropa im Visier hybrider Kriegsführung
Weiterlesen

Europa und Afrika – Eine Bildungspartnerschaft auf Augenhöhe

Bundesausschuss, 09.12.2023

Europa und Afrika – Eine Bildungspartnerschaft auf Augenhöhe

Beschluss im Wortlaut:

Die EU muss die Bildungspolitik in ihren Mitgliedsstaaten mit Blick auf den afrikanischen Kontinent neu denken.

Wir als JEF bekennen uns zu einer guten Zusammenarbeit zwischen der EU und den afrikanischen Staaten auf Augenhöhe. Als Verband unterstützen wir die Verständigung zwischen den Völkern. Hierzu ist es jedoch notwendig, dass man einerseits kulturelle, politische und soziale Hintergründe des Gegenüber kennt, andererseits aber auch ein Bewusstsein für die gemeinsame, oft belastete, Vergangenheit besitzt.

Dass ein Großteil der europäischen Bürger:innen wenig oder keine Kenntnisse über aktuelle Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent und der gemeinsamen Historie haben, ist maßgeblich den Versäumnissen in der Bildungspolitik geschuldet. Die Kolonialpolitik ist an deutschen Schulen nur ein kleines Kapitel im Geschichtsunterricht an Gymnasien und wird häufig nur oberflächlich behandelt. Gerade vor dem Hintergrund, dass zunehmend Geflüchtete aus dem globalen Süden in die Europäische Union kommen und in den Mitgliedstaaten der EU Schutz suchen, ist in allen Bereichen der Gesellschaft eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilität erforderlich.

Woher soll diese Sensibilität und Aufnahmebereitschaft kommen, wenn in einem Großteil der Gesellschaft kein Bewusstsein über die Historie und z. B. die Ausbeutung aus der Kolonialpolitik entwickelt wird?

Daneben ist es wichtig, dass wir den afrikanischen Kontinent als das sehen, was er ist: Es gibt nicht nur nach unserer Ansicht, kein einheitliches Afrika, sondern einen Kontinent, der aus vielfältigen einzelnen Ländern besteht und von kultureller, menschlicher und landschaftlicher Diversität geprägt ist. Eine solche erhöhte Sensibilität zeigt auch unseren afrikanischen Partner:innen, dass Europa und die Europäische Union gewillt sind, eine Partnerschaft auf Augenhöhe einzugehen und eben nicht nur an günstigen Ressourcen interessiert sind. Es sind unter anderem auch die Versäumnisse in der historischen Aufarbeitung, die zum ambivalenten Ruf Europas auf dem afrikanischen Kontinent beigetragen haben.

Die Bildungslücken an europäischen Schulen im Hinblick auf den afrikanischen Kontinent müssen geschlossen werden.

Vor diesem Hintergrund fordern wir:

  1. Die EU-Bürger:innen sollen ein stärkeres historisches Bewusstsein für die  Kolonialpolitik und den Kolonialismus sowie die afrikanischen Kulturen entwickeln. Konkret geht es darum, die bestehenden Inhalte der Lehrpläne zu prüfen, um an passenden Stellen Inhalte zu diesen Themen zu ergänzen. Hier sind vor allem die Bildungsministerien der Länder, aber auch z. B. die Universitäten, die den Forschenden Mittel zur Verfügung stellen, gefordert. 
  2. Die EU soll in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union mehr Austauschprogramme (Schüleraustausch, Studium und Ausbildung, Erasmus+ etc.) anbieten. Wir fordern außerdem, dass für diese Programme mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. 
  3. Die EU soll größere und sicherere Investitionen in Bildungseinrichtungen der Subsahara-Länder und in westafrikanischen Ländern tätigen.
emmelineEuropa und Afrika – Eine Bildungspartnerschaft auf Augenhöhe
Weiterlesen

Unsere Vision einer föderalistischen Außenpolitik

Bundesausschuss 02. – 04.12.2022

Unsere Vision einer föderalistischen Außenpolitik

Beschluss im Wortlaut:

Als Junge Europäische Föderalist*innen setzen wir uns schon seit langem für eine einheitliche europäische Außenpolitik ein, die die Werte und Interessen Europas schlagkräftig und glaubwürdig vertreten kann. Bis heute ist es nicht gelungen, eine gemeinsame, föderalistische Außenpolitik in Europa zu organisieren, die auch dazu in der Lage ist, auf die Fragen unserer Zeit passende Antworten geben zu können. Und während die europäische Integration im Bereich der Wirtschaft zügig vorangekommen ist, streiten die Mitgliedstaaten noch heute um den richtigen Kurs der Ausgestaltung in der gemeinsamen Außenpolitik. In Zeiten des Krieges in der Ukraine, des globalen Klimawandels und des Aufstiegs autokratischer Kräfte bleibt die europäische Außenpolitik in intergouvernementalen Strukturen verhaftet und wirkt dadurch regelmäßig inkonsequent, stark verwässert sowie ineffizient.

Dabei ist bereits vor 70 Jahren mit der “Europäischen Politischen Gemeinschaft” (EPG) der erste Versuch unternommen worden, eine gemeinsame Außenpolitik nach föderalistischen Grundsätzen zu schaffen. Das Scheitern der EPG führte im Ergebnis aber dazu, dass das Gemeinschaftsprinzip bis heute keinen Einzug in den Bereich der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik gefunden hat.

Die bestehenden Strukturen in der EU, wie die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie die hohe Repräsentantin, sind ein erster Schritt für mehr außenpolitische Verantwortung der EU. Gleichzeitig stellen wir als JEF fest, das die bisherigen Maßnahmen nicht weit genug gehen. Vielmehr benötigt die Union ein Um- und Weiterdenken der bisherigen Ideen. Ursula von der Leyen hat bei ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union die Schlussfolgerungen aus der Konferenz zur Zukunft Europas erneut aufgegriffen. Ein prominenter Vorschlag ist dabei die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzip in Außen- und Sicherheitsfragen, den wir an dieser Stelle erneut bekräftigen möchten.

Zudem hat sie ihre Unterstützung für einen erneuten Versuch für eine Europäische Politische Gemeinschaft zugesichert. Vor diesem Hintergrund fordern wir mit diesem Beschluss, eine föderalistische Außenpolitik in Europa final zu vollenden!

Wir haben in Europa die Erfahrung gemacht, dass immer dann, wenn existentielle Krisen anstehen, sich die Menschen an die Europäische Union wenden. Sei es bei der schweren Finanzkrise vor 15 Jahren, während der weltweiten Corona-Pandemie, dem Krieg in der Ukraine oder der Energiekrise verbunden mit einer wirtschaftlichen Rezession: gemeinsam sind wir stärker in Europa. Eine gemeinsame Herangehensweise an Probleme, die den ganzen Kontinent betreffen, bringt uns wesentlich weiter als nationale Alleingänge. Nicht ohne Grund wird dabei stets auf Jean Monnet Bezug genommen, der sagte, dass “Europa in Krisen geschmiedet werden wird.” Insbesondere bei den Russland-Sanktionen ist die innere Stärke Europas deutlich geworden, nachdem sie geeint, geschlossen und schnell reagiert hat. Aktuell steht nicht nur für die Ukraine sehr viel auf dem Spiel, sondern auch für Europa und die ganze Welt. Denn dieser Krieg richtet sich auch gegen unsere Werte, unsere Zukunft, unsere Wirtschaft als auch unsere freiheitliche sowie friedliche Verfassung.

Spätestens mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine müssen wir feststellen, dass es zu einem neuen Konflikt zwischen demokratischen und autoritären Staaten gekommen ist. Die EU sollte den Anspruch haben, bei der Verteidigung von Demokratie und Sicherheit in Europa und weltweit eine entscheidende Rolle zu spielen.

In diesem Sinne wollen wir, dass die gemeinsame Verständigung und der einstimmige Beschluss von Sanktionen nicht länger von außergewöhnlichen Umständen abhängig ist. Vielmehr müssen die institutionellen Grundlagen dafür geschaffen werden,dass die EU auch dauerhaft geeint, geschlossen und schnell reagieren kann. Nur gemeinsam hätte die EU genug politisches Gewicht, um als eigenständige Akteurin auf der Weltbühne aufzutreten, Rechte und Grundrechte ihrer Bürger*innen zu schützen und sich dabei von keiner Schutzmacht abhängig machen zu müssen.

Außenpolitik föderalistisch reformieren

Als JEF fordern wir daher eine föderalistische Außenpolitik, damit die EU mit einer Stimme sprechen kann. Das Verhältnis Föderalismus und Außenpolitik bedeutet für uns, dass es eine verfassungsmäßig geregelte Interaktion zwischen dem Bundesstaat Europa und seinen Mitgliedstaaten im Innenverhältnis gibt, um nach außen mit einer Stimme zu sprechen. (Vielfalt im Innern – Einheit nach außen) In diesem europäischen Bundesstaat hat die föderale Regierung (Europäische Kommission) unumstrittene rechtliche Befugnis in der Außenpolitik, damit sie die Kompetenz bekommt, internationale/völkerrechtliche Verträge eigenständig verhandeln und abschließen zu können, wobei das Parlament mit einbezogen werden muss. Damit dies möglich wird, möchten wir die Beschlüsse des vergangenen Bundeskongresses in Wittenberg sowie Bundesausschusses in Brüssel bekräftigen, die eine*n echte*n europäische*n Außenminister*in mit eigenständigem Außenministerium einfordern.

Föderalismus bedeutet auch für uns, sich nicht gleichzumachen, sondern die Vielfalt der Mitgliedstaaten als Reichtum zu begreifen und Respekt sowie Toleranz voreinander zu haben. Deshalb soll es den Mitgliedstaaten unbenommen bleiben, in den Bereichen des grenzüberschreitenden Regionalismus sowie von internationalen Kommunalpartnerschaften weiterhin aktiv zu sein. Das europäische Außenministerium setzt dabei den übergeordneten Rahmen und legt Ziele sowie Strategien der Außenpolitik fest. Interessen der einzelnen Mitgliedsstaaten sollen größtmögliche Berücksichtigung finden, indem es vor einer zukünftigen zweiten Kammer rechenschaftspflichtig ist. Im Zweifel müssen mitgliedstaatliche Einzelinteressen jedoch dem Gemeinwohl der Europäischen Union als Ganzes untergeordnet werden.

Ohne eine europäische politische Autorität – mit entsprechenden föderalistischen Kompetenzen – wird man den zentrifugalen und partikularistischen Tendenzen der Mitgliedstaaten eben nicht standhalten können. Das wird uns schon heute regelmäßig vor Augen geführt und unterstreicht noch einmal den dringenden institutionellen Handlungsbedarf!

Damit die EU in einer immer schneller werdenden Welt handlungsfähiger wird, müssen kurzfristig die nationalen Vetorechte im Rat der Außenminister*innen abgeschafft werden. In der EU müssen wir einen Paradigmenwechsel im Entscheidungsprozess einläuten: intergouvernementale Verhandlungen im Europäischen Rat und im Rat der EU haben ausgedient. Ein entscheidender Konstruktionsfehler war es, den Mitgliedstaaten ein letztinstanzliches Vetorecht einzuräumen. Nationale Interessen an einem Vetorecht sind nachvollziehbar, allerdings wird eine kohärente Außenpolitik dadurch zu häufig ausgebremst und verhindert.

Schwerpunkte einer föderalistischen Außenpolitik

Als Junge Europäische Föderalist*innen wissen wir sehr genau, dass wir ein starkes und vor allem handlungsfähiges Europa brauchen, um die großen Fragen unserer Zeit zu lösen – Klima, Sicherheit, Schutz der Demokratie und unserer Werte. Deshalb schlagen wir folgende Hauptschwerpunkte für eine europäische föderalistische Außenpolitik vor:

1. Wirtschaftliche Globalisierung

Der europäische Binnenmarkt mit seinen Grundfreiheiten ist eine der größten Erfolgsgeschichten Europas. Gemeinsam miteinander Handel zu treiben kann – bei den richtigen Rahmenbedingungen – für alle Seiten vorteilhaft sein. Unsere Handelspartner haben uns dabei geholfen, nicht nur unsere europäische Wirtschaft zu stärken, sondern auch unsere Interessen und unsere Werte global voranzubringen und die Globalisierung aktiv mitzugestalten. Insbesondere mit gleichgesinnten Partnern sehen wir das Potenzial, auch außerhalb unserer Grenzen wichtige Arbeits- und Umweltstandards durchsetzen sowie die Menschenrechtslage in der Welt verbessern zu können. Eine europäische Außenpolitik aus einem Guss wird uns auch dabei helfen, Beziehungen zu neuen Partnern und wichtigen Wachstumsregionen zu knüpfen. Denn nur gemeinsam werden wir die klimaneutrale und digitale Transformation unserer Wirtschaftsweise wirksam gestalten können – wertegebundene Handelsverträge sind dabei das effektivste Mittel.

2. Multipolare Sicherheit

Als JEF fordern wir eine europäische Friedens- und Sicherheitspolitik. Momentan stellt der russische Imperialismus und Militarismus eine grausame Verletzung des Friedens in Europa dar. Durch Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg wurde die europäische Sicherheitsarchitektur, die seit dem Ende des Kalten Krieges existierte, nichtig gemacht und vollkommen zerstört. Wir verurteilen den Angriff Russlands auf das souveräne Territorium der Ukraine und fordern die europäischen Staaten auf, der Ukraine jede mögliche – auch militärische – Hilfe zur Verfügung zu stellen, ohne dabei selbst in aktive Kampfhandlungen einzutreten. Wir bekennen uns auch zu den Bündnispflichten der NATO und der EU und begrüßen die Aufnahme weiterer Staaten in die Bündnisstrukturen. Wir bekräftigen darüber hinaus die Forderung der JEF nach einer Europäischen Armee, um die Kräfte der einzelnen EU-Mitgliedstaaten zu bündeln und sicherheitspolitisch weiter zusammenzurücken.

Aufrüstung im Rahmen einer agressiven Außenpolitik, wie sie China zur Bedrohung der Nachbarstaaten Taiwan, Japan und Südkorea durchführt, lehnen wir ab. Die EU sollte sich deshalb für wirksame Abrüstung einsetzen und aktiv an neuen Rüstungskontrollabkommen mitwirken. Diplomatie und Verhandlungen müssen auch weiterhin das wichtigste Mittel zur Friedenssicherung sein. Als Weltföderalist*innen streben wir eine globale Ordnung an, in der Atomwaffen keinen Platz haben.

3. Umwelt- und Klimaschutz

Die EU spielt in der globalen Klimadiplomatie eine führende und treibende Rolle.

Der European Green Deal nimmt sich vor, gegenüber Drittstaaten besonders als Vorbildfunktion, aber auch im Handel und im Finanzmarkt Standards zu setzen. Gleichzeitig sehen wir, das bisherige Bemühungen noch nicht ausreichen und die Umsetzung zu lange dauert. Zusätzlich zu der Beschleunigung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen fordern wir ein verstärktes Engagement der EU und ihrer Mitgliedstaaten in internationalen Institutionen wie den UN-Klimakonferenzen ein. Hieraus können Kooperationen mit Nicht-EU-Staaten in Form von Klimaallianzen oder Klimaclubs als separate Abkommen entstehen.

Wir sehen auch, dass sich Europa in mehrfacher Hinsicht energiepolitisch von autoritären Staaten abhängig gemacht hat, die nachweislich systematische Menschenrechtsverletzungen begehen. Das ist für uns nicht hinnehmbar und war ein Fehler. Diesen Preis dafür bezahlen wir jetzt. Zum einen sind wir auf Energieimporte in Form von fossilen Brennstoffen angewiesen. Zum anderen birgt die Umstellung auf erneuerbare Energien die Gefahr, sich neuen Abhängigkeiten außereuropäischer Zulieferindustrien aus der Solar- und Windenergiebranche auszusetzen. Durch fehlende Investitionen der letzten Jahrzehnte in erneuerbare Energien ist die EU bei der angestrebten Energiewende aktuell auf China als Weltmarktführer in der Solarbranche sowie Gatekeeper auf dem für Windkraftanlagen entscheidenden Markt für seltene Erden angewiesen. Gleichermaßen dominiert China mit einem Anteil von 61% an der weltweiten Minenproduktion den Markt für seltene Erden, welche nötig sind für die Herstellung von Windkraftanlagen. In der Vergangenheit hat China den Export bereits künstlich gedrosselt und auch in Zukunft könnte China Exportstopps als Druckmittel in internationalen Konflikten einsetzen. Eine derartige Abhängigkeit von autoritären Staaten, die nachweislich systematische Menschenrechtsverletzungen begehen, ist für uns nicht hinnehmbar.

Wir fordern daher, dass Europa seine Bezugsquellen für alle kritischen Rohstoffe und Technologien diversifiziert und die Transformation zu den erneuerbaren Energien beschleunigt. Dafür ist es unerlässlich, die europäische Industrie au der Solar- und Windenergiebranche mit hohen Investitionen zu unterstützen. Das Ziel muss eine sichere, europaweite sowie autonome Energieversorgung sein, die unabhängig von fossiler Energie sowie von Energiequellen aus autoritären Staaten ist. Darüber hinaus bekräftigen wir die umfassenden klimapolitischen und umweltrechtlichen Beschlüsse vom Bundeskongress 2020 und dem Bundesausschuss im März 2022.

Förderung und Schutz demokratischer Werte

Als JEF fordern wir ebenfalls eine feministische Außenpolitik. Feministische Außenpolitik orientiert sich am Wohl der Menschen und berücksichtigt möglichst viele verschiedene Lebensrealitäten. Europa ist eine Wertegemeinschaft und sollte sich aus diesem Grund weltweit für Menschenrechte einsetzen. Insbesondere Frauen und andere marginalisierte Gruppen werden bei Entscheidungen in der Außen- und Sicherheitspolitik nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl sie maßgeblich von deren Konsequenzen betroffen sind.

Als JEF fordern wir ebenfalls eine feministische Außenpolitik.

Als JEF fordern wir ebenfalls eine feministische Außenpolitik. Feministische Außenpolitik legt ein erweitertes Sicherheitsverständnis zur Grundlage dar, welches nationale Sicherheit in humane Sicherheit erweitert. Dies beinhaltet den erweiterten Sicherheitsbegriff, der Frieden nicht nur als Abwesenheit von Krieg bezeichnet, sondern auch strukturelle Gewalt mitberücksichtigt und anstrebt diese zu überwinden. Hierzu berücksichtigt feministische Außenpolitik die mögliche strukturelle Gewalt in Handel, Kooperation und der Innenpolitik beider Länder.

Daher orientiert sich Feministische Außenpolitik am Wohl der Menschen und berücksichtigt möglichst viele verschiedene Lebensrealitäten. Europa ist eine Wertegemeinschaft und sollte sich aus diesem Grund weltweit für Menschenrechte einsetzen. Insbesondere Frauen und andere marginalisierte Gruppen werden bei Entscheidungen in der Außen- und Sicherheitspolitik jedoch nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl sie maßgeblich von deren Konsequenzen betroffen sind. Die EU sollte deshalb als Fürsprecherin für die Gleichbehandlung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen das Wort ergreifen und sie stärker an entsprechenden Entscheidungsprozessen beteiligen.

Aus diesem Grund fordern wir als JEF eine feministische Außenpolitik. Feministischer Außenpolitik liegt ein erweitertes Sicherheitsverständnis zur Grundlage, das nationale, staatliche Sicherheit auf die individuelle Sicherheit der Menschen erweitert. Dieses Sicherheitsverständnis beinhaltet auch eine Vorstellung von Frieden, die nicht nur die Abwesenheit von physischer, sondern auch struktureller Gewalt mitberücksichtigt. Als strukturelle Gewalt gelten alle Faktoren, die Menschen daran hindern ihr vollständiges Potenzial zu erreichen. Um diesen Zustand zu überwinden, berücksichtigt feministische Außenpolitik die mögliche strukturelle Gewalt in Handel, Kooperation und der Innenpolitik beider Länder, orientiert sich am Wohl der Menschen und berücksichtigt möglichst viele verschiedene Lebensrealitäten.

Gleichzeitig soll der historische Kontext der europäischen Außenpolitik bei künftigen außenpolitischen Entscheidungen bedacht werden, um aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine gerechtere Weltordnung zu ermöglichen. Wir fordern zudem, dass die EU jungen oder unter Druck geratenen Demokratien zusätzliche Hilfe zukommen lässt und die organisierte Zivilgesellschaft insbesondere dort unterstützt, wo staatliche Willkür und Korruption sie zu zerstören drohen.

Als JEF fordern wir eine Verstärkung der internationalen Kooperation. Die Zusammenarbeit mit den Ländern des globalen Südens soll auf Augenhöhe passieren. Neokoloniale Bestrebungen, wie die Kreditvergaben Chinas, lehnen wir ab, da sie Abhängigkeiten zu den geldgebenden Staaten schaffen. Stattdessen setzen wir uns für eine Zusammenarbeit mit Ländern des globalen Südens auf Augenhöhe ein.

Wenn wir uns ernsthaft auf die Welt von morgen vorbereiten wollen, müssen wir auch in der Lage sein, die Dinge selbstbestimmt anzugehen, die für die Menschen in Europa am wichtigsten sind.

Es wird Zeit, dass Europa auf die diplomatische Weltbühne tritt. Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, kann Europa Herausragendes leisten!

emmelineUnsere Vision einer föderalistischen Außenpolitik
Weiterlesen

„Sky is not the Limit“ – Für eine gemeinsame europäische Weltraumpolitik

Bundesausschuss 02.-04.12.2023

„Sky is not the Limit“ – Für eine gemeinsame europäische Weltraumpolitik

Beschluss im Wortlaut:

Schon seit Urzeiten ist der Nachthimmel von besonderer Bedeutung für die Menschheit. Während er früher vor allem zur Orientierung und Zeitmessung genutzt wurde, weshalb weltweit Sternenkonstellationen auch eine hohe mythische Bedeutung haben, ist die Nutzung des Weltalls heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Neben praktischen Anwendungen wie GPS oder Satelliteninternet ermöglicht der Kosmos physikalische Grundlagenforschung beispielsweise durch die Beobachtung ferner Sterne und Galaxien. In den kommenden Jahren wird die Nutzung des Raums jenseits unserer Atmosphäre weiter zunehmen, insbesondere durch Produktionsprozesse in der Schwerelosigkeit, die weitere Vernetzung der Erde und auch die Renaissance der bemannten Raumfahrt.

Die Weltraumpolitik baute in den vergangenen Jahrzehnten auf eine enge internationale Kooperation, die jedoch jetzt zunehmend schwindet. Wir sehen daher die Notwendigkeit, die Autonomie der EU im Rahmen der Weltraumpolitik zu sichern. Der zunehmenden Militarisierung des Weltraums, insbesondere des erdnahen Orbits, muss Rechnung getragen werden. Dafür muss sich Europa für die konsequente Durchsetzung von Verboten für die Stationierung von (nuklearen) Waffensystemen im Orbit einsetzen. Die Unverletzbarkeit überlebenswichtiger dual-use Systeme zur Kommunikation und Navigation muss gewährleistet sein. Noch lässt sich eine neuerliche Rüstungsspirale im Weltraum durch multilaterale Regelwerke beschränken. Dafür ist es nötig, dass Europa nicht nur reaktiv handelt, sondern mit Führungsanspruch vorangeht.

Auch wenn angesichts neuer Herausforderungen eine stärkere europäische Politik gefordert wird, bleibt internationale Kooperation von entscheidender Bedeutung für die Weltraumpolitik. Viele Herausforderungen wie Fragen der Flugbahnen, der Versorgung, der Ressourcenverteilung oder der Entfernung von Weltraumschrott können nicht von einzelnen Staaten alleine gelöst werden. Die Europäische Union sollte sich deswegen weiterhin entschieden für eine tiefere Kooperation im Weltraum einsetzen und auch Vorschläge für einen internationalen Ordnungsrahmen geben. Dazu gehört insbesondere ein neues umfassendes Weltraumübereinkommen sowie die Gründung einer internationalen Organisation, die praktische Fragen des Weltraumrechts regeln und durchsetzen kann.

Denn anders als der Luftraum ist der Weltraum kaum reguliert. Jede Nation und jedes private Unternehmen kann, sofern die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, Satelliten, Raumsonden oder anderweitige Objekte in die Erdumlauahn bringen.

Es braucht daher einen effektiven Regulierungsrahmen. Wir fordern insbesondere eine gemeinsame europäische Weltraumpolitik und ein europäisches Weltraumgesetz.

Eine gemeinsame EU-Weltraumpolitik erfordert zunächst eine Koordination der bestehenden nationalen Strategien und Politiken sowie die Stärkung der ESA. Dann müssen die finanziellen Mittel, die heutzutage in den Mitgliedstaaten unabhängig und unkoordiniert ausgegeben werden, endlich aufeinander abgestimmt und gebündelt werden. In den letzten Jahren hat sich durch private Akteure gezeigt, dass die staatliche Weltraumindustrie deutlich hinter den technischen Möglichkeiten zurückliegt. Hier müssen europäische Hidden Champions stärker in die Projekte der ESA eingebunden und auch Start-ups gefördert werden, um privatwirtschaftliche Alternativen zu schaffen. Noch verfügt Europa über umfangreiches Know-How und technische Fertigkeiten.

Ein europäisches Weltraumgesetz muss sich dabei der folgenden Herausforderungen annehmen:

  • Anerkennung der Weltraumressourcen als Allgemeingut der Menschheit
  • Gerechte Verteilung der Weltraumressourcen
  • stabile Rahmenbedingungen für private Unternehmen
  • Ermöglichung und Förderung nachhaltiger Investitionen
  • Vermeidung von Weltraumschrott, Verpflichtung zur Müllentsorgung und zur Haftung
  • Regelung von Import aus und Export in den Weltraum
  • Schutz der Umwelt des Weltraums unter anderem vor Kontaminierung
emmeline„Sky is not the Limit“ – Für eine gemeinsame europäische Weltraumpolitik
Weiterlesen