Nie wieder Fachismus in Europa: AFD-Verbotsverfahren jetzt, bevor es zu spät ist!

Bundeskongress, 25.10.2025

Nie wieder Fachismus in Europa: AFD-Verbotsverfahren jetzt, bevor es zu spät ist!

Beschluss des Bundeskongresses der Jungen Europäischen Föderalist:innen am 25.10.2025

Beschluss im Wortlaut:

Als JEF sehen wir uns seit unserer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg in der Tradition des antifaschistischen und föderalistischen Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft über weite Teile Europas. Dieses demokratisch-antifaschistische Bekenntnis haben wir als JEF Deutschland zuletzt auf dem Bundeskongresses 2023 bekräftigt. Seitdem stellen wir fest, dass sich die AfD in ihren Äußerungen noch weiter radikalisiert hat und immer gewaltbereiter wird. 

Der gescheiterte Sturm auf den Reichstag vom 29. August 2020 verdeutlichte darüber hinaus die engen Verbindungen der AfD in die rechtsextreme Szene sowie die Gewaltbereitschaft von Teilen der Partei. Bei diesem Putschversuch wollten sich nachgewiesenermaßen AfD-Politiker:innen, Rechtsextremist:innen und Verschwörungstheoretiker:innen über AfD-Bundestagsabgeordnete Zugang zum Reichstagsgebäude verschaffen (Spiegel Beteiligung AfD). 

Aufgrund der weiteren Radikalisierung der völkischen, militanten, queerfeindlichen, antifeministischen, antisemitischen und rassistischen Gesinnung und Politik der AfD möchten wir erneut betonen, dass eine Zusammenarbeit mit den Anti-Demokrat:innen von der AfD für uns nach wie vor ausgeschlossen ist. Wir fordern von allen demokratischen Parteien und Organisationen ebenso klare Positionierungen. Wir halten die Anstrengung eines Parteiverbotsverfahrens beim Bundesverfassungsgericht zum Schutz unserer Demokratie und des offenen Miteinanders für unerlässlich! 

 Wir fordern daher: 

  1. die Bundestagsabgeordneten aller demokratischen Parteien, die Bundesregierung und den Bundesrat dazu auf, beim Bundesverfassungsgericht ein entsprechendes Verfahren zum Verbot der AfD anzustrengen. 

1a. Zur gründlichen Vorbereitung eines AfD-Verbotsverfahrens soll eine Bund-Länder Arbeitsgruppe gebildet werden. In ihr sollen Vertreter:innen der Bundesregierung, der Länder sowie Expert:innen aus der Wissenschaft vertreten sein. Sie sollen gemeinsam Materialien und Belege zur Verfassungsfeindlichkeit der AfD zusammentragen und die Antragsstellung beim BVerfG rechtssicher vorbereiten. 

  1. von den Politiker:innen aller demokratischen Parteien und den demokratischen Fraktionen im Bundestag mehr Entschlossenheit und ein geeintes Auftreten im Kampf gegen den zunehmenden Rechtsextremismus und die AfD. 

In der Erwägung, dass ein AfD-Verbot allein natürlich nicht ausreicht, um rechtsextreme, verfassungsfeindliche Einstellungen zu bekämpfen, fordern wir darüber hinaus begleitend und ein mögliches Parteiverbotsverfahren überdauernd: 

  1. eine breit angelegte, deutschland- und bestenfalls europaweite öffentliche Kampagne zur Förderung einer lebendigen Demokratie und Zivilgesellschaft. 
  2. mehr öffentliche Förderung politischer Bildung in allen gesellschaftlichen Schichten. 
  3. eine Stärkung von demokratischen, gesellschaftlich-politischen Netzwerken. 
  4. eine konsequentere Umsetzung von Maßnahmen zur Bürger:innenbeteiligung auf allen Ebenen, von der Kommunalpolitik bis zur Europäischen Union, um mehr Räume für demokratische, politische Debatten zu eröffnen und mehr gesellschaftlichen Austausch zu erreichen. 

Nie wieder ist jetzt! Lasst uns entschlossen und geeint gegen die Feind:innen unserer Demokratie vorgehen, bevor es zu spät sein könnte!

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Partnerschaftsvereinbarung mit der EUD

Bundeskongress, 25.10.2025

Partnerschaftsvereinbarung mit der EUD

Beschluss des Bundeskongresses der Jungen Europäischen Föderalist:innen am 25.10.2025

Beschluss im Wortlaut:

Das derzeitige Partnerschaftsmodell zwischen der Europa-Union Deutschland und der JEF Deutschland beruht auf einer Reihe von Vereinbarungen auf Landesebene (überwiegend basierend auf einer Vorlage aus dem Jahr 2013), sowie einer bundesweiten Partnerschaftsvereinbarung (beschlossen im Jahr 2017). 

Diese Vereinbarungen stammen überwiegend aus einer Zeit, als die  Doppelmitgliedschaft noch ein Sonderfall war und das Verhältnis zwischen den Verbänden weniger eng war. Heute ist die Doppelmitgliedschaft bundesweit betrachtet der absolute Normalfall, mit Ausnahme einzelner kleinerer Verbände. Dies ist bereits bei der Anpassung der Beitragsabführungen zwischen der Europa Union und der JEF Deutschland im Jahr 2023 berücksichtigt worden und hat auch in zahlreichen Ländern und im Bund zu einer Praxis enger Zusammenarbeit, beispielsweise in der Mitgliederverwaltung, geführt. 

Vor diesem Hintergrund scheint es angemessen, die Vereinbarungen zwischen den Verbänden zu prüfen und, wo sinnvoll, zu aktualisieren. 

Die JEF Deutschland wird sich um die Einsetzung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit der Europa-Union Deutschland bemühen, deren Ziel es ist: 

  1. Die bestehende bundesweite Partnerschaftsvereinbarung zu überprüfen und einen Vorschlag für eine aktualisierte Version zu erarbeiten. 
  2. Eine aktualisierte „Mustervereinbarung“ für Partnerschaftsvereinbarungen zwischen JEF und EUD auf Landesebene zu erarbeiten. 

Die Arbeitsgruppe soll ihre Vorschläge zum gemeinsamen Bundesausschuss von JEF und EUD im Frühjahr 2027 (und damit auch zum zehnjährigen Jubiläum des Partnerschaftsabkommens) vorlegen.

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Für ein verteidigungsfähiges Europa

Bundeskongress, 25.10.2025

Für ein verteidigungsfähiges Europa

Beschluss des Bundeskongresses der Jungen Europäischen Föderalist:innen am 25.10.2025

Beschluss im Wortlaut:

Europa steht vor vielfältigen sicherheitspolitischen Herausforderungen, die gemeinsames Handeln erfordern. Die Jungen Europäischen Föderalist:innen (JEF) fordern deshalb ein starkes, koordiniertes und langfristig unabhängiges europäisches Verteidigungssystem. Ziel ist es, die europäische Handlungsfähigkeit in einer sich wandelnden Weltordnung zu stärken. Kurzfristige Maßnahmen müssen dabei als Zweck tiefgreifenderer langfristiger Vertragsreformen hin zu einer echten politischen und Verteidigungsunion gelten. Nur durch das Ende von nationalen Vetos und dem intergovermentalen Ansatz kann durch die Stärkung einer parlamentarischen demokratischen Kontrolle eine echte europäische Sicherheitsarchitektur entstehen.

Langfristige Ziele und Forderungen 

  1. Europäische Souveränität stärken 

Europa muss in der Lage sein, eigene Sicherheitsinteressen zu erkennen und zu vertreten. Dies umfasst unter anderem Geheimdienst Kooperationen, Schutz kritischer Infrastruktur sowie den Schutz des Wirtschafts-, Technologie- und Wissensraums. Ein gemeinsames Vorgehen bei der Planung, Beschaffung und Modernisierung von Streitkräften ist hierfür unerlässlich. Eine Europäische Armee muss dabei langfristiges Ziel sein. 

  1. Ein Europa mit einer Stimme 

Durch enge Abstimmung im Bereich Verteidigungs- und Außenpolitik wollen wir Europas Geschlossenheit stärken und Alleingänge verhindern. Mit einer geeinten Stimme wollen wir europäische Interessen vertreten. Dies erfordert den Abbau des Einstimmigkeitsprinzips und die Einführung der qualifizierten Mehrheit im Rat der EU durch entsprechende Vertragsveränderungen. 

  1. Zentrale/Tragende Rolle in der NATO 

Durch den Ausbau der eigenen Kapazitäten und eine verbesserte Koordinierung sollen europäische Staaten zu einer tragenden Säule des Bündnisses werden und dessen strategische Ausrichtung zentral mitgestalten. 

  1. Zusammenarbeit mit den USA auf Augenhöhe

Die transatlantische Partnerschaft bleibt zentral. Europa sollte zugleich so ausgestattet sein, dass es strategisch unabhängig agieren kann, um globalen Krisen resilient zu begegnen und Konflikte zu deeskalieren. 

  1. Selbstständige Verteidigungsfähigkeit 

Der Aufbau eigenständiger, effizienter Strukturen in Forschung, Produktion und Einsatzfähigkeit ist das Fundament einer starken europäischen Verteidigungspolitik. 

  1. Sicherheitspolitische Zusammenarbeit auch mit nicht-EU/NATO-Ländern 

Gemeinsame Friedens- und Stabilisierungsmaßnahmen mit Akteuren außerhalb der EU und NATO können regionale Konflikte eindämmen und neue Allianzen fördern. Kooperationen sollten hierbei basierend auf den Werten der Menschenrechte und demokratischen Grundprinzipien beruhen.

  1. Krisenschutz ausbauen 

Europäische Staaten sollen ihre Fähigkeiten zum Katastrophenschutz und Krisenmanagement koordinieren, um schneller und entschlossener reagieren zu können. 

Kurzfristige Ziele und Forderungen

  1. Unmittelbares Aufrüsten durch Einkauf 

Der zeitnahe Erwerb nötiger Ausrüstung – vorzugsweise aus europäischen Quellen – ist unabdingbar, um Lücken zu schließen und die Handlungsfähigkeit zu sichern. Hierbei sehen wir jedoch die alleinige Wiederaufrüstung von Nationalstaaten kritisch. Der Ausbau militärischer Kapazitäten muss europäisch erfolgen und ein Instrument zu mehr Integration sein. 

  1. Förderung des Kapazitätsausbaus 

Unternehmen sollen langfristige Planungssicherheit erhalten und dabei unterstützt werden, ihre Produktionskapazitäten rasch zu erhöhen. Koordinierte europäische Projekte und Beschaffung sind dabei zu bevorzugen. 

  1. Militärpersonal ausbauen 

Rekrutierung und Ausbildung müssen rasch gestärkt werden, um den gestiegenen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. Gehälter und Ausrüstung müssen verbessert und eine einsatzfähige Reserve bereitgehalten werden. Hierbei sollten europäische Ansätze in der Rekrutierung und Ausbildung von militärischem Personal für die Verteidigungsfähigkeit Europas entwickelt werden. 

  1. Nukleare Kapazitäten gemeinsam stärken 

Die Absicherung Europas durch einen gemeinsamen nuklearen Schutzschirm soll weiterhin unterstützt und ausgebaut werden. Langfristiges Ziel muss die Reduktion nuklearer Risiken sein. Schritte zur Kontrolle und Abrüstung sollen weiter unterstützt werden, um die Sicherheit Europas nachhaltig zu erhöhen. 

Die Jungen Europäischen Föderalist:innen rufen alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die Europäischen Institutionen sowie die Europäische Zivilgesellschaft dazu auf, diese Ziele konsequent zu verfolgen und gemeinsame Schritte zu unternehmen. Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann Europa seine Verantwortung in der Welt wahrnehmen, bestehende Allianzen festigen und zugleich selbstbewusst eigene Wege gehen.

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Eure Angst cancelt unsere Zukunft

Bundeskongress, 25.10.2025

Eure Angst cancelt unsere Zukunft

Beschluss des Bundeskongresses der Jungen Europäischen Föderalist:innen vom 25.10.2025

Beschluss im Wortlaut:

Während wir in einer Zeit leben, in der Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gestärkt werden müssten, erleben wir ihre schleichende Aushöhlung. Immer mehr wird mit der Angst der Menschen Politik gemacht. Diese Angst wird instrumentalisiert, um Freiheitsrechte einzuschränken, Grenzen wieder aufzubauen, Minderheiten anzugreifen und Fortschritt zu blockieren. Doch wenn Angst zum leitenden Prinzip der Politik wird, dann cancelt sie unsere Zukunftsfähigkeit.

Getragen von unserer föderalistischen Haltung wollen wir eine geeinte Europäische Union als Gegenangebot präsentieren, das Zuversicht ausstrahlt und echte Lösungen hervorbringt.

 Recht und Freiheit als Grundlage

Rechtsstaatlichkeit und die Grundrechte sind nicht nur abstrakte Prinzipien, sondern das Fundament unseres Zusammenlebens. Ohne sie gibt es keine freie Entfaltung, keine Sicherheit, kein gutes Leben. Doch dieses Fundament wird angegriffen. In immer mehr europäischen Ländern wird versucht, Gerichte zu schwächen, Medien unter Kontrolle zu bringen und Freiheitsrechte einzuschränken.

Immer öfter werden Gesetze verschärft, die nicht Sicherheit bringen, sondern autokratische Tendenzen verstärken. Das betrifft nicht nur einzelne Staaten, sondern bedroht das gesamte europäische Projekt. Wir wollen ein Europa, in dem Recht und Freiheit nicht relativiert, sondern verteidigt werden. Denn nur ein funktionierender Rechtsstaat schützt Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung. Nur er schafft Vertrauen in Politik und Gesellschaft.

Gesellschaft im Umbruch

Die europäischen Gesellschaften sind vielfältiger, vernetzter und zugleich gespaltener als je zuvor. Polarisierung und Hass nehmen zu. Debatten werden nicht mehr um Argumente geführt, sondern um Identitäten. Das Misstrauen gegen Institutionen wächst, während Desinformation und Populismus florieren.

Gleichzeitig sehen wir beeindruckende Stärke in der Zivilgesellschaft: Millionen von Menschen, die demonstrieren und sich engagieren. Diese Energie muss politische Resonanz finden. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass jede und jeder sich beteiligen kann. Aber viele fühlen sich ausgeschlossen, weil Politik sich an einer älteren Generation orientiert, während die Jüngeren mit den Folgen leben müssen. Wir wollen eine Gesellschaft, die Vielfalt als Stärke begreift, Demokratie als gemeinsame Aufgabe versteht Wir sind überzeugt, dass dies nur in einer echten europäischen Demokratie gelingen kann, die durch einen föderalen Aufbau, politische Teilhabe nah den den Bürger:innen und deren Lebensrealitäten ermöglicht und gleichzeitig Nationalismen abbaut.

Europa im globalen Kontext

Die großen Herausforderungen unserer Zeit von der Klimakrise über Migration und Sicherheit, den Umgang mit neuen Technologien und geopolitische Machtverschiebungen lassen sich nicht national lösen. Dennoch erleben wir ein Wiedererstarken nationalistischer Politik. Nationale Regierungen versprechen Lösungen, die sie nicht liefern können. Sie versuchen, Macht zu demonstrieren, mit Grenzkontrollen und nationalen Alleingängen in der Verteidigung, für ein Zurück in eine Welt, die es längst nicht mehr gibt. Diese Politik ist eine Politik der Scheinlösungen. In Wahrheit versuchen sie, die eigene Machtlosigkeit zu verbergen. Europa hingegen kann die Kraft entfalten, globale Probleme tatsächlich zu beeinflussen. Doch dafür muss es handlungsfähig sein. Dafür braucht es mehr als Koordination zwischen Regierungen. Es braucht eine politische Union, die diesen Namen verdient. Die Europäische Föderation ist der einzige Weg, die politische und ökonomische Souveränität Europas in einer Welt voller Machtblöcke zu sichern. Nur wenn Europa seine Kräfte bündelt, und in wechselseitig förderliche Beziehungen mit dem Rest der Welt eintritt, wird es in der Lage sein, seine Interessen und Werte glaubwürdig zu verteidigen. Wir unterstützen den Gedanken einer Weltföderation – in der es um die gleichberechtigte Verwirklichung von Rechten und Potenzialen überall auf der Welt geht – und engagieren uns mit dem ‘Federal Peace Forum’ auch künftig für regionale Friedensprozesse durch die föderalistische Lupe.

Die Bedrohung von Rechts

Rechtsextremismus wächst in Deutschland, in Europa und weltweit. Die Zahlen rechtsextremistischer Gewalttaten steigen kontinuierlich. Dies ist das Ergebnis der Normalisierung rechtsextremer Sprache und Denkweisen. Diese Entwicklung bedroht die Demokratie im Kern. Nationalismus, Abschottung und autoritäre Politik verschärfen die Lage. Minderheiten geraten zunehmend unter Druck. Frauen*rechte werden zurückgedrängt. Angriffe auf queere Menschen nehmen zu. Rechte Bewegungen finden mit ihren staatsfeindlichen Parolen in allen Ländern Europas positive Resonanz in der Bevölkerung. Gleichzeitig vernetzen sie sich

gerade in Europa untereinander, um ihre eigene Vision einer Festung Europa, eines Europas der Nationalismen zu stärken. Dies geht klar gegen unser Modell eines föderalen Europas der Freiheit und Gleichberechtigung. Die größte Aufgabe von uns Föderalist:innen ist es daher, unsere Vision als positive Alternative zu stärken und unser Europa nicht den rechten Kräften zu überlassen.

Sicherheit und Verteidigung

Die sicherheitspolitische Lage hat sich in Europa massiv verändert. Kriege und Konflikte rücken näher, hybride Angriffe auf Infrastruktur und digitale Räume nehmen zu. Die Shell-Studie 2024 zeigt, dass 81 Prozent der jungen Menschen in Deutschland Angst vor einem Krieg haben. Dieses Gefühl ist ernst zu nehmen. Aber die Antwort darf nicht einfach nur in nationalem Aufrüsten bestehen.

Nur eine europäische Verteidigungsunion kann echte Sicherheit bieten. Nationale Armeen, die nebeneinander existieren, sind teuer, ineffizient und unzureichend. Was wir brauchen, ist gemeinsame europäische Beschaffung, gemeinsame Produktion und gemeinsame Verantwortung. Dies muss im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen verankert werden. Wir müssen in der Lage sein, uns selbst zu verteidigen. Das geht nur, wenn wir unsere Ressourcen bündeln und eine europäische Verteidigungsstrategie entwickeln, die nicht auf Angst basiert, sondern auf Handlungsfähigkeit. Wir benötigen auch ein neues Bewusstsein in der Gesellschaft, Politik und unter der Jugend. Krieg ist nicht etwas, das wir uns aussuchen werden, sondern, was auf uns erzwungen wird. Wir müssen auf diese Eventualität vorbereitet sein, da sie jetzt wahrscheinlicher denn je ist. Aus diesem Grund müssen die Europäischen Streitkräfte kommen. Deshalb schlagen wir die Verabschiedung eines „Union Acts“ vor, der die parallele Aktivierung der Artikel 42 Absatz Vertrag über die Europäische Union (EUV) (über die gemeinsame Verteidigung) und Artikel 48 EUV (über die Verfassungsreform) des Vertrags von

Lissabon als gemeinsames Paket umfasst.

Finanzierung, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit

Europa verliert an Boden. Neue Technologien werden nicht mehr hier entwickelt. Innovationen entstehen in den USA und in Asien, während Europa abhängig bleibt. Strategische Souveränität ist nicht mehr gegeben. Gleichzeitig gerät der globale Handel unter Druck, und die ökologische Transformation wird nicht konsequent vorangetrieben. Das Ergebnis: Europa droht wirtschaftlich zurückzufallen, während andere Regionen die Standards von morgen setzen. Wir müssen dringend handeln. Die Transformation zu einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaft muss mit Investitionen in Bildung, Forschung und Technologie einhergehen. Nur so können wir Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Europa darf nicht Zuschauer sein, sondern muss Treiber des Fortschritts werden. Wichtig ist daher, dass das Budget für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen erweitert wird und gemeinschaftliche finanzpolitische Instrumente auf europäischer Ebene genutzt werden.

Die Jugend im Zentrum der Krisen

Die Polykrisen unserer Zeit treffen besonders junge Menschen. Doch Politik wird nicht für uns gemacht. Die Systeme, die geschaffen wurden, sind für die Herausforderungen unserer Zukunft ungeeignet. Statt Weichenstellungen für kommende Generationen erleben wir Rückschritte. Das darf nicht so bleiben. Junge Menschen brauchen Mitbestimmung und Mitsprache. Es ist unsere Zukunft, die hier verhandelt wird. Wir tragen die Last der Klimakrise, der geopolitischen Konflikte, der ökonomischen Unsicherheit. Deshalb müssen wir gehört und einbezogen werden.

Unsere Antworten

Wir setzen auf Solidarität und Subsidiarität. Auf Zusammenarbeit statt Spaltung. Auf ein Europa, das Demokratie nicht nur predigt, sondern lebt. Wir wollen Minderheiten schützen, wofür die Mehrheit Verantwortung trägt. Wir wollen globale Allianzen eingehen, die ein Leben in Frieden und Freiheit für alle Menschen ermöglichen. Wir wollen die Rechtsstaatlichkeit wieder stärken. Unsere Vision ist klar: Ein vereintes, föderales und souveränes Europa, in dem jeder Mensch frei leben kann. Ein Europa, das Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und ökologische Verantwortung miteinander verbindet. Ein Europa, das Bildung stärkt, Verteidigung gemeinsam organisiert und den Mut hat, nach vorne zu gehen.

Appell

Es ist Zeit für einen klaren Schritt: Federazione europea subito. Föderalismus ist keine abstrakte Idee, sondern die Antwort auf die Gegenwart. Wir wollen Grenzen und Machtstrukturen zwischen Menschen abbauen, Frieden und freiheitliche Werte institutionell sichern und so jeder Person die Möglichkeit geben, sich zu emanzipieren. Das Private ist föderal und wir alle tragen einen Teil zu einer friedlichen und gewaltlosen Gesellschaft durch unser tägliches Handeln als überzeugte Europäische Föderalist:innen bei! Europa darf nicht ein Kontinent der Angst werden, sondern muss ein Kontinent der Zukunft sein. Ein Europa, das Nationalismen überwindet und seine Kapazitäten bündelt , um die großen Krisen der Zeit zu lösen. Ein Europa, das Freiheit verteidigt, anstatt sie zu beschneiden. Ein Europa, das nicht von Angst getrieben wird, sondern von Hoffnung, Mut und Handlungsfähigkeit.

Eure Angst cancelt unsere Zukunft. Aber wir lassen uns diese Zukunft nicht nehmen.

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Alternativen zur Transatlantischen Brücke

Bundesausschuss, 15.03.2025

Alternativen zur Transatlantischen Brücke

Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses der Europa-Union und
der Jungen Europäischen Föderalist:innen vom 15.03.2025

Beschluss im Wortlaut:

Die Präsidentschaft von Donald Trump hat zu einer rapiden Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen geführt. Die Vereinigten Staaten nehmen aufgrund der „America First“-Politik ihre Rolle als Verteidigerin der regelbasierten Weltordnung nicht mehr wahr.
Daher ist es notwendig, dass die Europäische Union und ihre Partner auf dem amerikanischen Kontinent weiterhin gemeinsam Verantwortung für den Erhalt einer regelbasierten Weltordnung übernehmen, welche auf den Prinzipien von Respekt für Menschenrechte, menschlicher Würde, Demokratie, Gleichheit, Solidarität und Frieden beruht.
Wir fordern die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, ihre Beziehungen zu anderen Staaten auf dem amerikanischen Kontinent zu intensivieren.

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Draghi-Report

Bundesausschuss, 15.03.2025

Draghi-Report

Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses der Europa-Union und
der Jungen Europäischen Föderalist:innen vom 15.03.2025

Beschluss im Wortlaut:

Die Diskussion über den Draghi-Report zur Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit der EU bietet wertvolle Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit und Veranstaltungen in der Europa-Union und der JEF.

Daher fordern die JEF und EUD von der neuen Bundesregierung:

• Im Rahmen der Verhandlungen für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU (MFF) sollte die neue Bundesregierung sich proaktiv für das Verwenden gemeinsamer europäischer Finanzinstrumente und für die Aufnahme gemeinsamer Kredite einsetzen.

• Dies muss gepaart mit den Debatten rund um das deutsche Sondervermögen und notwendige Investitionen in die deutsche Wirtschaft und Infrastruktur geschehen. Nur wenn Deutschland seine Zukunftsinvestitionen, Steigerung der Innovationsfähigkeit und Transformation der Wirtschaft im Kontext des Europäischen Binnenmarktes und auch der neuen Märkte der Erweiterungsländer begreift, kann die Wettbewerbsfähigkeit Europas gewahrt werden.

• Ein Beispiel solcher europäischen wirtschaftspolitischen Instrumente ist die Arbeit mit sogenannten Important Projects of Common European Interest – „IPCEIs“ (strategische Förderprojekte).

• Langfristig muss Deutschland die Entwicklung der EU hin zu einer Fiskalunion vorantrei-
ben und die Reformvorschläge des Draghi Reports durch eine koordinierte deutsche Europapolitik im Rat der EU und im Europäischen Rat einbringen.

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„Europa zählt mehr denn je!” Unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung

Bundesausschuss, 15.03.2025

„Europa zählt mehr denn je!” Unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung

Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses der Europa-Union und
der Jungen Europäischen Föderalist:innen vom 15.03.2025

Beschluss im Wortlaut:

Die geopolitischen Entwicklungen zeigen deutlich, dass Europa nur geschlossen und mit vereinter Kraft seine Freiheit und seine Unabhängigkeit bewahren können wird. Deshalb muss die Europäische Union (EU) dringend handlungsfähiger werden. Die Pariser Klimaschutzziele zur effektiven Verlangsamung der menschengemachten Erderwärmung bleiben trotz Kriegsgefahr und Rezession von überragender Bedeutung. Die schwierige Lage besonders der Wirtschaft, die Sicherung offener Märkte und wichtiger Zugänge zu Ressourcen sowie einer verlässlichen und nachhaltigen Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen, die weitere Vertiefung des Binnenmarkts, vor allem seine Ergänzung um eine Kapitalmarktunion, sowie Demografie und Migration sind Herausforderungen, denen wir nur vereint erfolgreich begegnen können. Deutschland, als bevölkerungsreichster Mitgliedstaat und größte Volkswirtschaft der EU, trägt hierbei besondere Verantwortung. Die Krisen unserer Zeit, sei es die Verteidigung der Demokratie, die Gewährleistung von Sicherheit oder die Stärkung des europäischen Zusammenhalts, erfordern eine aktive und vorausschauende europäische Politik – einen europäischen Bundesstaat.

Europa-Union Deutschland (EUD) und Junge Europäische Föderalist:innen (JEF) Deutschland setzen sich als überparteiliche und überkonfessionelle Verbände seit über 75 Jahren für ein föderales Europa ein. Gemeinsam fordern wir die zukünftige deutsche Bundesregierung auf, sich in den kommenden vier Jahren proaktiv für eine wirkungsvolle Stärkung Europas einzusetzen. Dabei muss Deutschland als Motor der Integration vorangehen und darf wichtige Entwicklungen nicht blockieren, sondern muss selbst Impulse setzen.
Mit unserer Kampagne „Deutschland wählt, Europa zählt“ haben wir gezeigt, dass große Teile der deutschen Gesellschaft ein geeintes, starkes und zukunftsfähiges Europa wollen. Dies bestätigt auch eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. (EBD). Gleichzeitig verschärfen sich die Bedrohungen demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien von innen und von außen. Deutschland muss gemeinsam mit Frankreich und Polen und weiteren reformwilligen EU-Staaten Führungsverantwortung übernehmen und eine ambitionierte Vision mit klaren Ansprüchen definieren. Jetzt ist die Zeit für entschlossenes Handeln! Was für uns zählt – von der neuen Bundesregierung fordern wir:

1) Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und zivilgesellschaftliches Engagement stärken!

Zivilgesellschaftliche Strukturen sind eine unverzichtbare Säule der Demokratie. Sie fördern den Austausch und die Beteiligung an politischen Prozessen und sind ein wichtiger Wächter der demokratischen Ordnung. Vor allem Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen tragen dazu bei, junge Menschen frühzeitig zu empowern, die die Werte der Demokratie aktiv vertreten. Wir fordern, dass dies auch in einem Gesetz zur Stärkung der Demokratie verankert wird. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass sie die Unabhängigkeit, den Schutz und die Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen stärkt und mit den nötigen finanziellen und strukturellen Ressourcen ausstattet. Dies gilt insbesondere für eine Inflationsanpassung des Kinder- und Jugendplans. Nur durch ein starkes zivilgesellschaftliches Engagement kann die Grundlage für eine stabile, gerechte und demokratische Gesellschaft erhalten bleiben. In einer Welt, in der rechtsstaatliche Prinzipien zunehmend unter Druck geraten – etwa durch autoritäre Tendenzen, die Einflussnahme privater Tech-Unternehmen oder die Instrumentalisierung von Macht – muss die Bundesregierung sich entschieden für die Stärkung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland, Europa und global einsetzen. Rechtsstaatlichkeit ist kein Hindernis für die effiziente Durchsetzung politischer Vorha-
ben. Sie ist wesentliche Grundlage für Checks and Balances und ein regelbasiertes Zusammenleben auf nationaler und internationaler Ebene und muss verteidigt werden. Besonders wichtig ist die Durchsetzung europäischen Rechts zum Schutz der demokratischen Öffentlichkeit davor, von
algorithmisch verstärktem Hass und Lügen ertränkt zu werden. Europa hat sich demokratisch entschieden, Aufrufe zu Hass und Gewalt online genauso wie offline zu verbieten, und Plattformen wie X, Facebook, YouTube, TikTok und Google verpflichtet, europäisches Recht durchzusetzen. Die Trump-Regierung verleumdet die Durchsetzung von EU-Gesetzen als Handelsnachteil. Die Bundesregierung muss helfen, mit dem Digitale Dienste Gesetz (DSA) die demokratische Öffentlichkeit zu verteidigen, und verhindern, dass die EU-Kommission Straffreiheit für die Plattform X gegen Zollfreiheit für Autos tauscht. Wir lassen uns auf die Rhetorik von Trump, Musk und Co. nicht ein und bieten ein demokratisches europäisches Gegenmodell!

2) Junge Menschen an der Gestaltung der Zukunft beteiligen!

Die multiplen Krisen der letzten Jahre – der Krieg in Europa, der Klimawandel und die Wirtschaftskrise – treffen insbesondere die junge Generation und haben langfristige Folgen für ihre Zukunft. Junge Menschen, die wie alle gesellschaftlichen Gruppen vielschichtig sind, dürfen nicht nur passiv diese Entwicklungen beobachten, sondern müssen aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirken können. Die Ergebnisse der letzten Wahlen haben jedoch verdeutlicht, dass ihre Lebensrealitäten in der Politik nicht ausreichend berücksichtigt werden. Um ihre Anliegen angemessen einzubinden, ist eine stärkere politische Teilhabe notwendig. Ein entscheidender Schritt wäre die europaweite Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Gleichzeitig muss Demokratie über Wahlen hinausgehen: Jugendparlamente und verbindliche Beteiligungsmechanismen auf allen Ebenen sind essenziell, damit junge Menschen aktiv in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Darüber hinaus braucht es eine intensivere politische Bildung, um das Demokratieverständnis junger Menschen zu stärken und ihnen frühzeitig ein Bewusstsein für ihre demokratischen Rechte, insbesondere auch auf der europäischen Ebene, zu vermitteln. Die politische Bildung, insbesondere die europapolitische Bildung, kommt in den modernen Bildungssystemen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union viel zu oft zu kurz. Selbst in der Bundesrepublik Deutschland gibt es erhebliche Diskrepanzen in der Qualität und im Umfang der politischen Bildung – nicht nur zwischen der Sekundarstufe und der gymnasialen Oberstufe, sondern auch zwischen den einzelnen Bundesländern. Das darf nicht sein! Ein Maßnahmenpaket zur politischen Bildung, beginnend mit der Grundschule und auch in der Lehrkräfteausbildung, ist essenziell, um diese Diskrepanz mindestens teilweise aufzuheben. Dies ist ein entscheidender Punkt, um die Jugend und künftige Generationen auf die Komplexität unserer Gegenwart vorzubereiten. Dabei darf Jugendbeteiligung keine symbolische Geste sein, sondern muss als demokratische Notwendigkeit verstanden wer-
den.

3) Europäische Integration vertiefen, um den Bundesstaat zu verwirklichen!

Gerade jetzt, da der Autoritarismus eines Donald Trump, der russische Faschismus sowie die Volksrepublik China unser auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie basierendes Modell gefährden, ist es notwendig, unsere Art zu leben nicht nur zu verteidigen, sondern sie selbstbewusst gesamteuropäisch weiterzuentwickeln. Europa muss nicht nur sicherheits- und wirtschaftspolitisch eigenständig, sondern wirklich einig werden. Die aktuellen globalen Herausforderungen verlangen es, dass wir als EU gemeinsam und stark auftreten – um die Werte von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen und eine echte Alternative zu den autoritären Systemen zu bieten, die weltweit an Einfluss gewinnen. Es ist höchste Zeit, diese Chance zu ergreifen und eine europäische Zukunft zu gestalten, die auf unseren gemeinsamen Werten basiert.

Deshalb fordern wir die neue Bundesregierung auf, die europäische Integration nicht nur in Einzelfragen, sondern in der ganzen Breite zu vertiefen. Dabei muss auch der pragmatische Ansatz der Zusammenarbeit „der Willigen“ zugelassen werden, wenn schnelle Lösungen erforderlich sind. So können einzelne Integrationsschritte in Bereichen wie Verteidigung, Klima- oder Wirtschaftspolitik in einer engeren Gruppe von Mitgliedstaaten vorangetrieben werden, um Fortschritte zu erzielen, die auf die gesamte EU ausstrahlen. Die Zeit ist reif für kühne Entwürfe, besonders da der mögliche Rückzug der USA aus der freien Welt die EU-Mitgliedstaaten dazu zwingt, enger zusammenzurücken. Die EU darf nicht nur als Wirtschafts- und Sicherheitsgemeinschaft existieren, sondern muss auch politisch und institutionell enger zusammenarbeiten. Deutschland muss als treibende Kraft in der EU auftreten und konkrete Schritte zur Stärkung des europäischen Integrationsprozesses setzen. Dazu gehört die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips, die Etablierung einer Verteidigungsunion und die Stärkung des Initiativrechts des Europäischen Parlaments. Die Zeit ist jetzt, eine europäische Alternative zu den verschiedenen Autoritarismen zu formulieren. Nicht nur, weil wir es müssen, um nicht unterzugehen, sondern weil wir es können und wollen. Es ist Zeit für den europäischen Bundesstaat!

4) Eine handlungsfähige EU durch gemeinsame Verteidigung fördern!

Die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik muss stärker integriert werden, um die EU unabhängiger und handlungsfähiger zu machen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt, dass Europa seine Sicherheit nicht länger von den USA abhängig machen kann – erst recht nicht seit der zweiten Trump-Präsidentschaft. Die EU braucht auf dem Weg zu Europäischen Streitkräften eine echte Verteidigungsunion, die die nationalen Streitkräfte enger verzahnt und Ressourcen effizienter nutzt. Dazu gehören auch gemeinsame Beschaffungen und schnell umsetzbare europäische Lösungen, um die militärische Zusammenarbeit zu vertiefen. Kurzfristig fordern wir eine gemeinsame Kredit- und Schuldenaufnahme für Verteidigung, um dringend notwendige Investitionen in Ausrüstung und strategische Fähigkeiten zu ermöglichen. Besonders eng muss hierbei mit den nordischen, baltischen, zentral- und osteuropäischen Mitgliedstaaten zusammengearbeitet werden, die bereits jetzt eine Schlüsselrolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur spielen und über wertvolle strategische Expertise in der Abschreckung und Verteidigung gegen die russische Bedrohung verfügen. Während manche dringend benötigten Waffen und Munition außerhalb der EU und auch in den USA gekauft werden müssen, sollte die große Mehrheit neuer Gelder in europäische Produkte fließen.
Dabei darf Verteidigung nicht gegen den sozialen Frieden ausgespielt werden. Sicherheit bedeutet mehr als nur militärische Stärke – sie erfordert auch wirtschaftliche Stabilität und den Schutz demokratischer Werte. Die Unterstützung der Ukraine macht deutlich, dass Europas Verteidigungsfähigkeit auch eine Frage der Solidarität ist. Neben der Stärkung der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit und Verteidigung (PESCO) und einer vertieften Zusammenarbeit in der Weltraum- und Cyberabwehr fordern wir die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips insbesondere in der EU-Außen- und Sicherheitspolitik. Zudem braucht es eine strategische Kultur, die gemeinsame Militäreinsätze ermöglicht, etwa durch ein „Erasmus for Soldiers“- Austauschprogramm und eine Diskussion über die Nutzung der EU-Battlegroups. Eine selbstbewusste europäische Verteidigungspolitik ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für Frieden, Stabilität und Handlungsfähigkeit in einer sich wandelnden Welt.

5) Europäische Freizügigkeit schützen und Schengen verteidigen!

Wir fordern die Bundesregierung auf, die eingeführten Grenzkontrollen an allen deutschen Außengrenzen umgehend abzuschaffen und sich entschieden gegen deren Verlängerung oder gar Verstetigung einzusetzen. Im Jahr seines 40-jährigen Bestehens muss der Schengenraum als Kernstück der europäischen Integration verteidigt und geschützt werden. Einschränkungen der Freizügigkeit schaden der Wirtschaft, behindern den Binnenmarkt und belasten Unternehmen sowie Menschen, die täglich die Grenze überqueren, massiv. Zudem fehlen der Polizei die Kapazitäten, um flächendeckende Grenzkontrollen aufrechtzuerhalten, ohne andere sicherheitsrelevante Aufgaben zu vernachlässigen. Die Jungen Europäischen Föderalist:innen haben bereits 1950 mit dem symbolischen „Grenzsturm“ gegen die innereuropäischen Grenzkontrollen demonstriert, weil die föderalistische Bewegung wusste: Ein vereintes Europa braucht offene Grenzen. Heute gilt es mehr denn je, dieses Ziel zu verteidigen. Statt nationale Alleingänge fortzusetzen, braucht es gemeinsame europäische Lösungen – gerade in der Migrationspolitik. Der Schutz der Freizügigkeit muss mit einer funktionierenden Zusammenarbeit in der EU und auch an den EU-Außengrenzen einhergehen, um irreguläre Migration effektiv zu begrenzen, dem völkerrechtlich verankerten Schutzversprechen gerecht zu werden, eine gerechtere Verteilung von Asylberechtigten und Schutzbedürftigen zu ermöglichen und reguläre Migration, die aufgrund der demografischen Alterung in erheblichem Umfang gebraucht wird, gemeinsam im Sinne des europäischen Arbeitsmarkts zu steuern. Die Bundesregierung muss sich aktiv für den Erhalt und die Stärkung des Schengenraums einsetzen, anstatt durch ihre Politik neue Hürden zu errichten. Europas Antwort auf aktuelle Herausforderungen muss mehr Zusammenarbeit sein – nicht neue Binnengrenzen.

6) Das Parlament als Herzstück der Demokratie betonen!

Das Parlament muss als Herzstück der Demokratie gestärkt werden. Wir fordern ein Initiativrecht des Europäischen Parlaments, um seine Rolle als gleichwertiger Partner der Kommission und des Rates zu festigen. Um dies zu erreichen, muss die Bundesregierung die Einführung entsprechender Vertragsänderungen auf EU-Ebene aktiv vorbringen und so die demokratische Legitimation der EU langfristig stärken und ihre Handlungsfähigkeit verbessern. Darüber hinaus fordern wir die Einführung von transnationalen Listen für die Europawahlen, um die direkte Wahl durch ein Spitzenkandidatensystem zu ermöglichen und so die europäische Demokratie weiterzuentwickeln. Die bestehende deutsch-französische parlamentarische Versammlung muss weiter ausgebaut, um Polen erweitert und als Modell für verstärkte Zusammenarbeit genutzt werden, um gemeinsam europäische Themen voranzutreiben.

Zudem muss die europäische Politik in der deutschen Bundesregierung kohärent und effizient koordiniert werden. Der Europaausschuss sollte stets vor Abstimmungen im Rat befasst werden, um sicherzustellen, dass europäische Themen unter einem gemeinsamen Dach bearbeitet werden. Es darf keine unkoordinierte Haltung oder „German Votes“ mehr geben. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass alle Ministerien europäische Themen mitdenken und miteinander koordinieren, um die Handlungsfähigkeit Deutschlands in der EU zu stärken und die europäische Demokratie zu fördern.

7) Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz vorantreiben!

Die Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit wird im Zentrum der neuen von der Leyen-Kommission stehen. Wie die Berichte von Draghi und Letta betonen, braucht es hierfür ein substanziell größeres Investitionsvolumen, das auf privatem und öffentlichem Kapital basiert, sowie die Weiterentwicklung gemeinsamer finanzpolitischer Instrumente, insbesondere im Zusammenhang mit dem nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Deutschland ist als einer der wirtschaftlichen Motoren der EU immens von den geopolitischen Rahmenbedingungen betroffen und kann seine Wirtschaft nur stärken, indem es die Vorteile des europäischen Binnenmarktesvoll nutzt und Reformen vorantreibt. Statt libertärem Deregulierungswahn, der digitalen Plattformen wie denen von Musk und Zuckerberg ungebremste Freiheiten in der Verarbeitung privater Nutzerdaten aber auch der Beeinflussung der öffentlichen Meinung gibt, fordern wir ein Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft und zu einer wertebasierten europäischen Ordnungspolitik. Notwendig sind zugleich eine Umsetzung und Weiterentwicklung der Europäischen Säule Sozialer Rechte.

Die EU muss mehr als nur eine Wirtschaftsunion sein – sie muss ein Vorreiter in der globalen Zusammenarbeit und einer nachhaltigen Transformation werden. Dies bedeutet nicht nur eine ambitionierte Klima- und Umweltpolitik innerhalb der EU, sondern auch eine verstärkte Rolle in der globalen Zusammenarbeit zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit. Deutschland muss sicherstellen, dass die EU den Europäischen Green Deal entschlossen vorantreibt und weltweit eine führende Rolle übernimmt.

helene„Europa zählt mehr denn je!” Unsere Erwartungen an die neue Bundesregierung
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PUBLIC HEALTH EUROPÄISCH ORGANISIEREN

Bundesausschuss, Dezember 2024

PUBLIC HEALTH EUROPÄISCH ORGANISIEREN

Beschluss im Wortlaut:

Im Zuge der Coronapandemie erließ die Europäische Union (EU) zahlreiche Maßnahmen, um die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Implikationen der Coronakrise zu minimieren. Während es der EU gelungen ist, die unvollständige Architektur der Eurozone weiterzuschließen, gab es im Bereich der Gesundheitspolitik weniger Fortschritte. Die EU-Gesundheitspolitik umfasst dabei mehrere Elemente. Für diesen Antrag liegt der Begriff der öffentlichen Gesundheitspolitik der EU von Greer (2014) zugrunde. Dieser gliedert die
öffentliche Gesundheitspolitik der EU in drei Bereiche: 1. Die explizite gesundheitsfokussierte Politik, worunter z.B. der öffentliche Gesundheitsschutz zählt, 2. Market-Making und Regulationspolitik und schließlich 3. Fiskalische Governance. Der vorliegende Antrag wird sich nur auf den ersten Aspekt des EU-Gesundheitspolitik fokussieren.

Im Bereich der direkten Gesundheitspolitik sind die Kompetenzen der EU weiterhin marginal ausgeprägt. Zu Beginn der Pandemie besaß die Union über Art. 2 IV i.V.m. Art. 4 II k) AEUV und Art. 6 a) AEUV bzw. Art. 168 AEUV im Grundsatz nur eine Unterstützungs- und Koordinationsrolle, was konkret bedeutet, dass die Union z.B. einen Dialog zwischen den Mitgliedstaaten einleiten konnte. Eigene Maßnahmen waren auf Aufklärungs- und Präventionskampagnen sowie Forschung beschränkt. Neben der schwachen Rolle im Gesundheitsbereich besaß die EU ebenfalls eine „schwache Ausstattung“ an Ressourcen im Vergleich zum amerikanischen CDC. Hierbei ist z.B. gemeint, dass der ECDC im Vergleich zum amerikanischen Äquivalent mit einem relativ kleinen Budget von 60 Millionen Euro und nur einem Bruchteil der Mitgliederzahl ausgestattet war.

Die Folge: Der Ausbruch von Corona konnte in Europa nicht verhindert bzw. eingedämmt werden. Mehr als eine Millionen Europäer: innen bezahlten dafür mit ihrem Leben. Leider hat sich bei der institutionellen Unvollständigkeit der direkten EU-Gesundheitspolitik seit der Coronakrise grundsätzlich nicht viel geändert. Hierbei vertreten wir das zentrale Argument, dass wir in der gesamten EU einheitliche Mindeststandards (Überwachung, Impfung, Testung, Nachverfolgung etc.) brauchen, um die EU als Ganzes schützen zu können. Daher fordern wir ganz konkret, um die europäische Gesundheitsgovernance zu verbessern:

  1. Wir fordern, dass die Empfehlungen an Mitgliedstaaten bei Gesundheitsnotfällen einen verpflichtenden Charakter bekommen. Durch die im November 2022 verabschiedete Verordnung zu grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren kann die EU Gesundheitsnotfälle erklären und nationale Notfallpläne überprüfen. Die EU kann dann durch die ECDC unverbindliche Empfehlungen aussprechen. Das gleiche gilt für die neuen Aufgaben der EMA. Die Agentur ist jetzt auch für die Überwachung und Bekämpfung von Engpässen bei medizinischen Gütern bei Notfallsituationen zuständig. Leider kann sie nur unverbindliche Empfehlungen aussprechen. Wir fordern hierbei ebenso, dass die EMA Empfehlungen mit einem verpflichteten Charakter erlassen kann.
  2. Wir fordern, dass das Health Crisis Board im Rahmen der HERA gestrichen wird. Die EU-Kommission muss bei diesem Thema unabhängiger von den Mitgliedstaaten werden. Durch das Health Crisis Board kriegen die Mitgliedstaaten eine zusätzliche Einflussmöglichkeit bei der Entscheidungsfindung.
  3. Wir fordern einen schnelleren und umfangreicheren Austausch von Daten. Zwar
    haben die Mitgliedstaaten durch die Verordnung zu grenzüberschreitenden
    Gesundheitsgefahren und die Stärkung des Mandats des ECDC mittlerweile
    Meldepflichten gegenüber dem ECDC, allerdings fehlt in der Verordnung eine
    Pflicht, dass die Daten schnell übermittelt werden müssen. Diese Daten müssen
    auch in einer standardisierten Form bei der ECDC ankommen, sonst dauert es zu lange bis der ECDC angemessene Handlungsempfehlungen für die Mitgliedstaaten
    erstellen kann.
  4. Wir fordern, dass die EU das Gesundheitsprogramm „EU4Health“ sowie den
    Europäischen Struktur- und Investitionsfond (ESI-Fonds) stärker zusammen denken
    soll. Die EU sollte identifizieren, welcher Investitionsbedarf im Gesundheitsbereich existiert und die Mitgliedsländer darauf aufmerksam machen. Anschließend sollte die EU bei der Einreichung von Förderanträgen und bei der Verflechtung von verschiedenen Förderinstrumenten unterstützen. Letzteres ist notwendig, da etwa die EU4Health-Projekte wenige bis keine Querbezüge zu dem ebenfalls für die öffentliche Gesundheit und Gesundheitsversorgung relevanten Europäischen Struktur- und Investitionsfonds aufweisen.
  5. Die EU muss eine Strategie (Empfehlungen und Investitionsanreize) entwickeln,
    um die unterschiedliche Qualität der Gesundheitssysteme zwischen den
    Mitgliedstaaten anzugleichen, ohne dabei den primärrechtlichen Rahmen zu sprengen. Das heißt, die ausgearbeiteten Empfehlungen haben einen
    unverbindlichen Charakter. Hier gilt der Grundsatz: Die EU ist in der Bekämpfung
    von Gesundheitsbedrohungen nur so stark wie ihre schwächsten Mitgliedstaaten und Regionen.
  6. Zwar ist eine primärrechtliche Vertragsänderung gerade nicht das wichtigste
    Problem. Allerdings fordern wir mittelfristig, dass die EU-Gesundheitspolitik
    auf eine solidere Rechtsgrundlage gestellt wird. Konkret heißt das: Die Gesundheitspolitik muss eine geteilte Kompetenz nach Art. 4 AEUV werden.

 

beschlossen beim Bundesausschuss im Dezember 2024



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ÖSTLICHES MITTELMEER: FÜR EINE BESSERE EU-TÜRKEI-GRIECHENLAND STRATEGIE

Bundesausschuss, Dezember 2024

ÖSTLICHES MITTELMEER: FÜR EINE BESSERE EU-TÜRKEI-GRIECHENLAND STRATEGIE

Beschluss im Wortlaut:

Der Gaskonflikt zwischen der Türkei und dem EU-Mitgliedsland Griechenland, welche die beiden Staaten bzw. die Türkei mit der EU 2020 am Rande eines Krieges brachte, ist zwar aktuell aufgrund der amerikanischen Präsidentschaft von Joe Biden, der Erdbebenpolitik Griechenlands, nach dem großen Erdbeben im Frühjahr 2022, und des Ukrainekonflikts eingefroren. Diese Faktoren sind allerdings nicht von permanenter Natur. Um den Konflikt um die Gasverteilung, die maritimen Grenzen und die illegale Besatzung des nördlichen Teils der Republik Zyperns seitens türkischer Streitkräfte nachhaltig zu lösen und nicht nur einzufrieren und eine weitere Energiequelle für die EU zu sichern, fordern wir:

 

  • Die EU muss die USA als militärische und politische Führungsmacht im östlichen Mittelmeer ablösen, um Ordnung und Stabilität in die Region zu bringen. Dies könnte dadurch geschehen, dass die großen EU-Staaten ihre militärische Präsenz in der Region verstärken.
  • Die EU muss sich dafür einsetzen, dass die Türkei in das „Eastern Mediterranean Gas Forum“ aufgenommen wird, um Spannungen ab- und Vertrauen aufzubauen. Sollte dies nicht möglich sein, muss die EU einen Dialog mit Griechenland, der Republik Zypern und der Türkei/Nordzypern initiieren, um in einem institutionellen Rahmen über die Wiedervereinigung Zyperns, die Seegrenzen und die Gasverteilung zu sprechen.
  • Die EU muss die Beilegung dieses Konflikts als hohe außenpolitische Priorität einstufen. Hierzu fordern wir die EU auf, ein Grünbuch zur Verbesserung der EU-Türkei-Beziehungen zu erarbeiten. Eine nachhaltige Verbesserung der griechisch-türkischen Beziehungen würde regionale Energieinfrastrukturprojekte ermöglichen, die die europäische Energieversorgung auf eine breitere und kostengünstigere Basis stellen. 
  • Aus geostrategischer Sicht muss die EU die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wieder aufnehmen und die jährlichen Zahlungen für die Heranführung der Türkei an den EU-Rechtsrahmen wieder aufnehmen, sofern die Türkei die demokratischen und rechtsstaatlichen Anforderungen erfüllt.

 

beschlossen beim Bundesausschuss im Dezember 2024


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RECHTSSTAATLICHKEIT UND DEMOKRATIE UNTERSTÜTZEN, MENSCHENRECHTE SCHÜTZEN – FÜR EINE NEUE AUSRICHTUNG DER EUROPÄISCHEN AUSSEN- UND ENTWICKLUNGSPOLITIK IN DEN MAGHREB-STAATEN

Bundesausschuss, Dezember 2024

RECHTSSTAATLICHKEIT UND DEMOKRATIE UNTERSTÜTZEN, MENSCHENRECHTE SCHÜTZEN – FÜR EINE NEUE AUSRICHTUNG DER EUROPÄISCHEN AUSSEN- UND ENTWICKLUNGSPOLITIK IN DEN MAGHREB-STAATEN

Beschluss im Wortlaut:

Die Situation in den Maghreb-Staaten (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien und die Westsahara) hat sich in den letzten Jahren stark verändert, die anfängliche Euphorie des Arabischen Frühlings ist schon lange verflogen. Die JEF Deutschland hat im Jahre 2011 folgenden Beschluss gefasst: “Die JEF begrüßen den Demokratisierungsprozess und fordern gerechte Entwicklungschancen für den Maghreb.” Dieser spiegelt die seitdem zunehmend veränderte Lage in den Staaten des Maghreb nicht mehr wider. Die Menschenrechtssituation in Algerien und Marokko hat sich nicht verbessert und in Libyen haben sich nach einem blutigen Bürgerkrieg zwei Herrschaftsgebiete etabliert, eines unter der international anerkannten Regierung und eines unter General Haftar. In Tunesien wurde das Parlament entmachtet, die staatlichen Autoritäten gehen massiv gegen Kandidaten:innen der Opposition vor. Der Status der Westsahara ist seit vielen Jahren ungelöst. Insbesondere die Rolle der UN-Friedensmission MINUSRO wird dabei zunehmend schwächer. Die politische und soziale Situation in dieser Region ist ein wichtiger Faktor für die regionale Stabilität.

Der vorliegende Antrag soll dabei nicht die aktuelle Beschlusslage der JEF Deutschland zum Thema Asyl und Migration ändern. Vielmehr soll hierbei der Einsatz für gute außen- und entwicklungspolitische Beziehungen zwischen der EU und den Maghreb-Staaten im Vordergrund stehen.

Als JEF Deutschland fordern wir die EU daher dazu auf:

  1. die Menschenrechtsverletzungen in den Maghreb-Staaten, insbesondere die Verstöße gegen die Meinungs- und Pressefreiheit, zu verurteilen und die Maghreb-Staaten aktiv zu bewegen, diese einzudämmen.
  2. bei einer weiteren Verschlechterung der menschenrechtlichen Situation Sanktionen gegen die Maghreb-Staaten zu verhängen (z.B. Smart Sanctions gegen Entscheidungsträger:innen). 
  3. dafür zu sorgen, dass ihre entwicklungspolitischen Maßnahmen sowie die ihrer Mitgliedstaaten konsequent die Ziele einer feministischen Entwicklungspolitik verfolgen und so Demokratisierungsprozesse in den Maghreb-Staaten nachhaltig fördern, die Rechte von Frauen, INTA*-Personen (inter-, nonbinäre, trans-, und agender Personen), Geflüchteten und anderen marginalisierten Gruppen stärken sowie die Presse- und Meinungsfreiheit schützen. . Dabei betonen wir die Bedeutung der Einbeziehung und Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Akteuren.
  4. für die Bekämpfung von Fluchtursachen und im Angesicht des weltweiten Kampfes gegen den fundamentalistischen Terrorismus gemeinsam mit den Maghreb-Staaten und lokal gefestigten Akteur:innen eine Allianz gegen den Terrorismus zu bilden. Dies beinhaltet eine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste, Regierungen und internationalen Organisationen, insbesondere der Afrikanischen Union. Gleichzeitig darf diese Zusammenarbeit nicht zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Maghreb-Staaten führen, etwa durch die Verfolgung von Oppositionellen. Wir fordern daher, dass die EU gleichzeitig auch wirksame Mechanismen einführt, um das Missbrauchspotenzial solcher geteilten Informationen zu minimieren. 

Angesichts der sehr heterogenen Situationen in den einzelnen Maghreb-Staaten fordern wir von der EU außerdem konkret:

  1. den UN-Plan für die Westsahara von 1991 zu unterstützen, die Verhandlungen zwischen Marokko und der Westsahara mit dem Ziel einer Entkolonialisierung weiterzuverfolgen sowie sich dafür einzusetzen, das Mandat der UN-Mission MINURSO auszuweiten. Der UN muss zusätzlich das Mandat erteilt werden, die Einhaltung der Menschenrechte in der Westsahara sicherzustellen!
  2. den politischen Druck auf Algerien zu erhöhen, eine Beobachtungsmission bezüglich der dort 2026 stattfindenden Parlamentswahlen zuzulassen. Zusätzlich erwarten wir von der EU, Algerien dazu aufzufordern, eine Beobachtermission der Afrikanischen Union (AU) zu erlauben, um die dortige rechtsstaatliche Lage zu beobachten und die Einhaltung der Menschenrechte, insbesondere der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, sowie die Durchsetzung der Rechte von Geflüchteten sicherzustellen. 
  3. sich für einen Blauhelm-Einsatz in Libyen auszusprechen und Verhandlungen zwischen der international anerkannten Regierung und der Haftar-Miliz unter Leitung der UN zu unterstützen. Dabei soll sich die EU weiterhin für die staatliche Einheit Libyens einsetzen. 
  4. die finanziellen Mittel für den Bereich Migration und Mobilität der “Vereinbarung über eine strategische und umfassende Partnerschaft zwischen der EU und Tunesien” einzufrieren, solange Tunesien keine Wahlen unter Berücksichtigung demokratischer Grundsätze durchführt.

 

beschlossen beim Bundesausschuss im Dezember 2024

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