It’s a wrap: So war das International Berlin Seminar 2026

Die Föderale Gesellschaft als Gegenentwurf zu wachsendem Nationalismus: Bericht vom 27. Internationalen Berlin Seminar der JEF Deutschland vom 28.-31. Mai 2026

JEFer:innen aus ganz Europa am neu eingeweihten Ursula Hirschmann Platz in Berlin Wedding. Quelle: JEF Deutschland.

Oft konzentrieren wir uns in der JEF und EUD beim Thema föderales Europa auf institutionelle Perspektiven wie Vertragsänderungen, Abschaffung des Vetorechts oder ein Initiativrecht für das Europäische Parlament. Doch gesellschaftliche Aspekte sind ebenso wichtig, besonders angesichts wachsenden Nationalismus in Europa. Wie kann es sein, dass wir in Deutschland in einem föderalen System leben und dennoch in Sachsen-Anhalt bis zu 40 Prozent für die AfD erwartet werden? Um solche Fragen zu beleuchten, widmete sich das diesjährige Internationale Berlin Seminar (IBS) dem Thema, wie gesellschaftlicher Föderalismus Antworten auf Nationalismus bieten kann. Das IBS ist jedes Jahr ein besonderer Moment: ein Raum für Reflexion mit JEFer:innen aus ganz Europa. Berlin bietet dafür eine einzigartige Atmosphäre mit vielen historischen Orten. Seit 27 Jahren entstehen durch das Seminar Freundschaften, die unsere Bewegung stärken und unsere Resilienz erhöhen. Gleichzeitig wird die Finanzierung jedoch zunehmend schwieriger, was steigende Teilnahmebeiträge und weniger Zugang für junge Menschen bedeutet.

Untergebracht in der Jugendherberge Alte Feuerwache e.V. starteten wir das Seminar mit einem Impuls von Yann Wernert vom Jacques Delors Center zur deutsch-französischen Perspektive auf Nationalismus. Nach einer Späti-Tour ging es am nächsten Morgen früh weiter: Um 7:30 standen wir als Erste beim Besucherdienst des Bundestags und bestiegen gemeinsam die Reichstagskuppel. Rund 35 Teilnehmende aus Ländern wie Frankreich, Estland, Norwegen, Italien, Türkiye oder Israel bestaunten Berlin im Morgengrauen. Anschließend trafen wir Vertreter:innen der Bundestagsverwaltung, die für die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung zuständig sind, ein einzigartiges Beispiel, wie Nationalismus durch Kooperation überwunden werden kann. Nach einer kurzen Stadtführung und Currywurst zum Mittag widmeten wir uns am Nachmittag dem Blick diasporischer Organisationen auf Nationalismus. Mit Vitsche, GZA und Razam diskutierten wir über die Rolle von Föderalist:innen, Narrative zu Konflikten zu hinterfragen und europäische Zukunftsperspektiven zu stärken, wie wir es seit Jahren mit #DemocracyUnderPressure tun. Im zweiten Panel mit Jette Nietzard, ehemalige Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, ging es darum, wie wir föderalistische Botschaften stärker im öffentlichen Diskurs platzieren können, besonders über soziale Medien. Hier können wir definitiv noch besser werden!

Am Samstag beschäftigten wir uns intensiv mit Konzepten des integralen und feministischen Föderalismus und ihrer Bedeutung für heutige gesellschaftliche Spannungen. Föderalismus bedeutet auch, zwischenmenschliche Beziehungen machtsensibel und gewaltfrei zu gestalten.

Besonders freute es mich, meine Forschung zu Petra Kelly vorzustellen, die selbst JEFerin war und in den 1980er Jahren intersektionale Perspektiven auf die europäische Einigung einbrachte. Danach ehrten wir Ursula Hirschmann, der vor Kurzem ein Platz in Berlin Wedding gewidmet wurde. Als jüdische antifaschistische Widerstandskämpferin und Mitbegründerin unserer Bewegung setzte sie während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben für die Idee eines föderalen Europas aufs Spiel und inspiriert uns noch heute. Den Tag beschlossen wir mit einem Besuch der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und einer Führung zu europäischen Widerstandsgruppen wie dem Kreisauer Kreis, der Europäischen Union oder der Weißen Rose. Diese Reflexionen werden sicher auch in das 80-jährige Jubiläum der EUD einfließen. Wir gehen mit neuer Energie nach Hause und sind bereit, weiter für ein offenes und föderales Europa zu kämpfen.

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