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Im Rahmen der von der Europäischen Kommission geförderten europaweiten Kampagne des European Movement International zum 9. Mai hat die Junge Europäische Bewegung Berlin-Brandenburg auch dieses Jahr ihre European Week veranstaltet.
Als informativ wie inspirierend geplant, vereinte die Woche vom 5. bis 9. Mai kulturelle und europapolitische Aspekte zu einem Ganzen, das Facetten des gemeinsamen Lebens in Europa widerspiegeln sollte. So gab der Auftakt Anlass, über Sinn, Zweck, Herkunft und Zukunft Europas nachzudenken: Die von Mélanie Fouché interpretierte szenische Lesung "Ich, Europa" des Autors und Theaterregisseurs Mottel Schuscha entführte in die Gedanken- und Gefühlswelt der mythischen Figur Europa: von Zeus geraubt, verlassen, nun allein und auf sich gestellt am Ufer eines unbekannten Kontinents - eine Allegorie für einen ungewissen Aufbruch, dem ein ebenso ungewisser Weg folgt, der ohne Ende ist, dessen Ziel ungewiss bleibt, der vom Scheitern gezeichnet ist, aber ebenso vom Hoffen und der Motivation des Weitermachens.
Am folgenden Dienstag sorgte ein mit Maren Günther, ehemalige EP-Abgeordnete und Geschäftsführerin der Europa-Union Berlin, Michaela Hailbronner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Walter-Hallstein-Institut, Dr. Sven Vollrath, Leiter der Europaabteilung des Deutschen Bundestages, sowie Michael Roth, MdB und Vorsitzender der SPD-Projektgruppe “Europäische Verfassung“, besetztes Podium für tagespolitische Erdung, indem es sich Fragen der Kompetenzerweiterung des Europäischen Parlaments durch den Vertrag von Lissabon annahm. Auch hier ging es um Hoffnung: die Hoffnung, dass neue Kompetenzen des EP und mehr Mitspracherechte der nationalen Parlamente zu mehr Interesse der Bürger an der EU-Politik führen und nicht zuletzt zu einer ordentlichen Wahlbeteiligung bei den EP-Wahlen im Jahre 2009!
Mittwoch und Donnerstag standen wieder im Zeichen der Annäherung an Europa durch Kultur. Mr. Jones machte vor, wie man sein Leben mit Hilfe von Reflexion und Kreation in die Hand nimmt und bot gemeinsam mit DJ Kaft ein erstklassiges HipHop-Konzert, in dessen Anschluss Gelegenheit war, über Jugend und Jugendkultur in Europa zu diskutieren. Eine Reihe von zum Teil preisgekrönten Kurzfilmen aus ganz Europa repräsentierte die Kulturdiversität unseres Kontinents und nahm Themen auf, die in verschiedenen Kulturzusammenhängen ganz unterschiedlich beleuchtet werden können: ein thematisches Kaleidoskop von Kinogenuss bis zu Taxifahren, von Vorurteilen bis zum Teilen, von Herkunftskonflikten bis zur ersten Liebe tat sich auf.
Aber wer oder was ist nun eigentlich Słubfurt? Als Schluss- und Höhepunkt der Woche wurde Słubfurt e.V. von der Jungen Europäischen Bewegung Berlin-Brandenburg im Auftrag des European Movement International als European Movement of the Year 2008 ausgezeichnet. Słubfurt ist eine Stadt. Eine Stadt, die durch die Arbeit, die Imagination und die Kreativität der Mitglieder von Słubfurt e.V. erst entsteht, allen voran des Vorsitzenden Michael Kurzwelly, der den Preis entgegennahm. Słubfurt ist grenzübergreifend, multilingual, multikulturell, ein bisschen verrückt und in Prozessen der Identitätsfindung begriffen. Ein bisschen halt wie Europa. Słubfurt ist nichts anderes als die Verbindung von Słubice und Frankfurt/Oder, der beiden Städte jen- und diesseits der Oder, polnisch und deutsch. Dabei geht Słubfurt e.V. nicht politisch vor - der Eintrag in zwei verschiedene nationale Vereinsregister war schwierig genug! -, sondern mit Mitteln der "public art" und mit viel Humor. Man zieht eine gemeinsame Stadt"mauer", entwirft ein gemeinsames Wappen, hat einen gemeinsamen Bürgermeister (Władysław Müller), organisiert Hahnenschreiwettbewerbe, bringt die Menschen beiderseits der Grenze/des Flusses zusammen, auf Reisen, im Jugendklub, auf Veranstaltungen... Auch (oder gerade!) so entsteht Europa. Grund genug für eine europäische Auszeichnung!
Wer mehr über Słubfurt erfahren will, surft auf www.slubfurt.net!
Text: Frank Stadelmaier |