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„Internationales Seminar“; „europäische Identität“; Melds dich haolt mal aon, hab i mir daocht. Schaust mal, obs naocher a solch a Identität, haolt a europäische, gibt und waos sich naocher do dahinter verberger tut.
Also haob i mi am 23. März in ICE eini gsetzt und bin nach Berlin gefahren.
Á la Brockhaus: Identität, die: Gleichheit mit sich selbst. Auf ein solches Seminar muss man sich schließlich vorbereiten, gerade wenn es denn ein internationales ist.
Als Bayer überquert man die Landesgrenze ja immer mit etwas Wehmut. Aber dieses Mal wollte ich nicht nur körperlich in die Hauptstadt Deutschlands fahren, sondern eine Identitätssuche antreten, die gerade dort anfangen und an den Grenzen Europas enden sollte. Im Grunde mal wieder eine Suche nach dem eigenen „Ich“. Mit der Frage im Gepäck, wie ich mich als europäischer Mensch definiere, startete ich also in Bayern, um in Europa anzukommen. Bezeichnenderweise fühlt man sich auf einem solchen internationalen Seminar auch wirklich wie in „Europa“. „Oh how are you, were do you come from“ sind die Begrüßungsformeln auf dem internationalen JEF Parkett. Geantwortet wird dann: „I`m from Estonia, Greece, France, Norway,... Da man sich als Bayer aber mit der Identifikation des deutschen an sich bekanntlich etwas schwer tut, antwortete ich fachmännisch: „I`m from Augsburg, Bavaria“; nach einem Blick in das doch recht verständnislose Gesicht meiner hübschen Nachbarin aus Makedionia wagte ich einen erneuten Versuch: „So from Augsburg it`s near Munich“; zwar war ihr wohl bewusst, dass ich erwartete, dass jetzt alles klar wäre, jedoch Kenntnis sieht anders aus. Also dann halt doch über die brachiale Methode: „So it’s the city with the greatest beer fest of the world, you know the Oktoberfest“. Na also geht doch. Ein Grinsen und erleichtertes Verständnis huschten über ihr Gesicht.
Also beruht die europäische Identität, entwickelt aus den eigenen Erfahrungen, doch auf touristischen Klischee -Vorstellungen?
Aber um das herauszufinden war ich schließlich hier und hatte noch volle zwei Tage zur Beantwortung Zeit.
Dann also erst mal am Abend noch zur Hertie School of Governance zur Podiumsdiskussion. Plötzlich war Europa wirklich nah, als einer der Podiumsteilnehmer mit bewegter Stimme und unterdrückten Tränen vom Mauerfall keine hundert Meter von unserem Tagungsort entfernt erzählte. Auch diese geschichtlichen Ereignisse gehören also zur europäischen Identität. Diskutiert wurde, ob nach fünfzig Jahren Europa nicht endlich eine Verfassung mehr als notwendig wäre. Gerade Frau Jering, die stellvertretende Direktorin der deutschen Kommissionsvertretung, hatte viele Fragen aus dem Auditorium zur Frage nach der politischen Gestaltbarkeit einer europäischen Identität zu beantworten. Interessanter Aspekt, der auch später während der weiteren wirklich hervorragenden Präsentationen noch vertiefend behandelt wurde. Natürlich wurde dann anschließend mit den vielen internationalen Teilnehmern reger Gedankenaustausch bis spät in die Nacht hinein betrieben. Denn gerade nur so kann sich eine Identität auf europäischer Ebene entwickeln, in der Arena der Public Sphere.
Christoph Haug referierte zu diesem Thema am Samstagnachmittag, und die mediale Aufbereitung von europäischen Themen. Zuvor konnte ich anhand mehrerer Statistiken verfolgen, dass wohl die meisten Bürger Europas zwar die Europäische Union kennen, sich aber die Mehrheit sich nicht mit ihr in Gleichheit befinden. Interessant waren auch die länderspezifischen, regional aber unabhängigen Unterschiede. So fühlen sich die Deutschen wohl eher als Europäer, als zum Beispiel die Engländer. Diese Statistiken wurden im Rahmen des Vortrages von Frau Bücker eruiert und anschließend rege diskutiert. Recht spannend war auch der Einstiegsvortrag von einem Referenten, der die europäische Identität als genauso vielschichtig wie die europäische Zwiebel betrachtete.
Grundsätzlich wurde in den Diskussionen gesamtheitlich eine Entwicklung der europäischen Identität bejaht. Vollgepackt mit vielen Fragen ging es anschließend zum Abendessen, um dann im Hostel noch den Abend mit einer der legendären JEF-Partys zu beschließen. Es ist schon erstaunlich, wie manche die europäische Identität erleben.
Aber grundsätzlich geht es wohl genau darum: Man kann sich nur mit Europa identifizieren, wenn man dieses Europa lebt. Also nicht nur als Tourist umherreist, sondern Land und Leute kennen lernt, und sich die verschiedensten kulturellen Eindrücke zu eigen macht. Genau dies macht den postmodernen Menschen aber auch gerade aus. Dieses sich selbst definieren, über verschiedene einzelne Aspekte der, in unserem Fall, europäischen Umwelt.
Also Sonntag, aufwachen ist was anderes, der Begriff Qual passt da schon besser. Aber man ist schließlich auf einem JEF-Seminar. An allen Veranstaltungen teilzunehmen ist Pflicht. Nun auf zur letzten Runde, eine Podiumsdiskussion mit Prof. Nettesheim, Prof. Delhey, und Dr. Schulz-Forberg. Thema: „Zukünftige Perspektiven und Chancen einer europäischen Identität“. Diese Diskussion wurde von allen Teilnehmern als Highlight empfunden. Die Frage des Wochendes wurde noch einmal von allen Seiten beleuchtet, und sehr gut erfasst. Gerade die Zusammenstellung verdient höchste Anerkennung. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an die Praktikantin Elina, die das gesamte Wochenende, und auch während der Organisation im Vorfeld hervorragende Arbeit geleistet hat.
Abschließend wurde das Europa Festival am Brandenburger Tor besucht. Tausende Menschen feierten Europa, oder genossen zumindest ein tolles Spektakel im frühlingshaften Sonnenschein. Als krönenden Abschluss veranstalteten wir eine spontane fünf vor zwölf Demo für die Verfassung. Frau Merkel lief an uns in fünf Meter Entfernung vorbei, und als Reaktion auf unsere „Verfassung jetzt“ Rufe, stand am nächsten Tag in der Zeitung, dass unsere Kanzlerin eine neue Verfassungsvertragsdiskussion anstoßen möchte.
Als Abschluss und während der Heimfahrt versuchte ich die vielen Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen, und mir klar zu werden, ob meine Identität eine der europäischen Art sei. Aber ich glaube eine klare Antwort wird der Mensch auf solch eine Frage nie finden, denn dann müsste er sich im klaren darüber sein wer er ist. Diese Art der Selbstreflektion ist wohl nur aus einem ex post Standpunkt möglich.
Eines kann ich aber sagen, dieses Wochenende hat mir klar gemacht, dass es viele gerade junge Menschen gibt, die Europa leben und sich mit dieser Idee identifizieren.
Nichtsdestotrotz, als ich mein Freistaat Bayern Schild auf der Autobahn sah, fühlte ich mich wieder dahaom. I denk ma haot haolt viele Identitäten, a europäische und a bayerische. Vielschichtig sam mer haolt alle, geh.
Euer, Helmut
Kontakt: Helmut Kienle, stellv. Bundesvorsitzender, helmut.kienle@jef.de
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